Seiten

Sonntag, 24. März 2013

Schmitz´ Katze - Ralf Schmitz

272 Seiten
Fischer Taschenbuch Verlag
Erschienen am 12. April 2012
ISBN 978-3596179787

Klappentext:

Manche Männer leben mit einer Frau zusammen - Ralf Schmitz mit seiner Katze.
Und das seit 23 Jahren! Dieses eheähnliche Verhältnis wirft natürlich Fragen auf:
Ist das Zusammenleben mit einer Katze wirklich so anders als mit einer Frau?
Wer veralbert hier wen den ganzen Tag?
Was macht die Katze würgend im Schrank?
Wie eifersüchtig ist die Katze und was hat sie ausgerechnet jetzt in Ralfs Bett zu suchen?
"Schmitz Katze" ist witzig, verblüffend und vor allem - autobiografisch!

Mein Umriss:

Ralf Schmitz, der beliebte Comedian beschreibt sein Leben mit seiner Katze Minka, die ihn im Alter von acht Jahren adoptierte. Ein prägendes Erlebnis für Ralf Schmitz.
Gemeinsam mit seiner Mutter wurde sich für einen Namen entschieden und schon war die Katze seine. Als er als Erwachsener zu hause auszog, mußte Minka natürlich mit und sie arrangierte sich hervorragend mit Ralfs Studentenleben und seinen äußerst seltsamen Ernährungsgewohnheiten, die wiederum Minkas Wohlbefinden nicht immer zuträglich waren. Ebenso läßt er das Verhalten seiner Katze nicht ausser Acht, wie diese reagiert, wenn plötzlich ein menschliches weibliches Wesen die Wohnung mit Beschlag belegt. Da zeigt Minka natürlich, wer das Sagen hat.
Wie Ralf Schmitz eben schon erwähnte, sie hat kein Herrchen, sie hat Personal.
Vergleiche mich anderen Katzen und deren Personal hat Schmitz auch in dieses Buch eingebaut und man sieht hier, wie individuell Katzen und ihr Personal sind. Da wäre die hypochondrische Shiva, der alkoholsüchtige Napoleon und viele andere aus seinem Umkreis.

Mein Eindruck:

Da ich keine Hörbücher mag, entschied ich mich für das althergebrachte Buch aus Papier und Pappe. Das tut dieser Biografie über das Leben von Ralf Schmitz und Katze Minka keinen Abbruch. Während des Lesens hatte ich oft Ralfs Stimme im Kopf und seine Art zu erzählen. Das brachte mich immer wieder zum Schmunzeln und auch herzhaftem Lachen, weil ich das meiste nachvollziehen kann, als Dosenöffner von zwei Fellnasen. Er läßt nicht unerwähnt, dass Katzenbesitzer ihre Fellnasen nicht nur lieben, sondern auch bewundern, denn im Gegensatz zu Hunden ist und bleibt eine Katze ein eigenständiges Wesen, das sich nicht erziehen und schon gar nicht zum Bleiben zwingen läßt. Er zeigt auf, wie sich so manche Katze über Tage selbst mit Futter versorgt, nur weil es nicht das Gewünschte gibt. Ok, er schreibt auch über das Leid des Personals, wenn es mit dem A… nicht mehr angeschaut wird, aber keine Katze ist wirklich lange beleidigt. Es dauert höchstens…. äääähm……. naja, so 2 Minuten bis 3 Wochen, je nachdem, wie schnell sie zu vergessen in der Lage ist.
Ralf Schmitz schreibt wie er auf der Bühne spricht. Es wird nie langweilig, er setzt die Pointen punktgenau und kann sich der Begeisterung seiner Leser sicher sein.

Mein Fazit:

Ein Muss für Katzenpersonal und Menschen, die das noch werden wollen.

Dienstag, 19. März 2013

Ein toter Lehrer - Simon Lelic


352 Seiten
Droemer
Erschienen am 14. März 2011
ISBN 978-3426198698

Klappentext:

Schulversammlung in der drückenden Hitze eines Londoner Sommers. Der Geschichtslehrer betritt die Aula – und eröffnet das Feuer: Drei Schüler und eine Lehrerin sterben, dann richtet er sich selbst. Auf Druck von oben soll die junge Ermittlerin Lucia May den Fall schnellstmöglich abschließen, doch sie bohrt tiefer – und bringt damit Unvorstellbares ans Licht …

Mein Umriss:

Samuel Szajkowski erscheint in der Aula der Londoner Eliteschule, an der er tätig ist und eröffnet das Feuer. Am Ende sind fünf Leben beendet…
Der Direktor und die Polizei wollen, dass dieser Fall möglichst schnell aus den Köpfen der Bürger verschwindet und London wieder zur Tagesordnung über geht. Lucia May, eine junge Kriminalbeamtin sieht das jedoch anders und ermittelt weiter, was ihrem Chef und ihren Kollegen so gar nicht gefällt. Bevor sie von ihrem Dienst suspendiert wird, findet sie heraus, dass dem Ganzen eine weitere Straftat vorangegangen ist, zu der anscheinend nur sie einen Zusammenhang findet. Lucia stellt weiterhin unangenehme Fragen und bohrt weiter, obwohl ihr der Fall längst entzogen wurde.
Sie fördert Dinge zutage, die die Schule gerne verschwiegen hätte.

Mein Eindruck:

Ein für mich aussergewöhnlicher Kriminalroman, der wie viele andere mit der Bluttat beginnt, dann jedoch wie ein Ordner voller Zeugenaussagen aufgebaut ist. So fügt Simon Lelic langsam aber beständig den Leser an die Hintergründe dieser Bluttat heran und zeigt, dass der Lehrer sich für etwas rächte, das nach aussen nur für wenige sichtbar war.
Anfangs etwas verwirrend, las ich mich recht schnell ins Geschehen ein und fieberte regelrecht der jeweils nächsten Aussage entgegen. Lelic gibt auch Einblick in die tägliche Arbeit der Polizei und zeigt, dass es auch dort nicht nur um reine Ermittlungsarbeiten geht. Nein, auch die menschlichen Seiten der Beamten läßt er nicht ausser acht. Zumal auch die Gesetzeshüter nicht so brav sind, wie sie von aussen oftmals gesehen werden.

Mein Fazit:

Trotz des ungwöhnlichen Aufbaus ein rundum gelungener Kriminalroman, den man gelesen haben sollte.

Montag, 11. März 2013

Das Mädchen, das den Himmel berührte - Luca di Fulvio

976 Seiten
Bastei Lübbe
Erschienen am 27. Februar 2013
ISBN 9783404167777

Klappentext:

Wie wird ein junger Tagedieb, der seine Kindheit in einer Höhle verbracht hat, zu einem glühenden Verfechter der Freiheit? Wie wird ein jüdischer Betrüger zu einem berühmten Arzt? Und wie wird ein junges Mädchen ohne Perspektive zu einer einflussreichen Modeschöpferin?
Die Antwort liegt in Venedig. Denn dort, im Labyrinth der Gassen und Kanäle der geheimnisvollsten Lagune Europas, zwischen der Pracht San Marcos und dem Elend der Spelunken von Rialto findet sich das gesamte Panorama des Lebens.

Mein Umriss:

Venedig im 16. Jahrhundert. Christen gehen gegen Juden vor.
Hurerei, Hexenverfolgung, Scharlatanerie sind an der Tagesordnung. Ebenso wie Diebstahl, Mord und Körperverletzung und nicht zuletzt Vergewaltigung. Hier findet das Leben der „Bösen“ Shimon, Scarabello, Benedetta und Zolfo und den „Guten“ Isacco Negroponte und seiner Tochter Giudetta statt. Mercurio, Benedetta und Zolfo müssen aus Rom fliehen, nachdem sie glaubten, einen jüdischen Geschäftsmann getötet zu haben…

Mein Eindruck:

Zu dick aufgetragen stellt Luca di Fulvio das Leben in der untersten Bevölkerungsschicht Italiens im 16. Jahrhundert dar. Nicht ohne kleine Hinweise auf die Judenverfolgung im 20. Jahrhundert zu vergessen. Mir war das einfach zu weit hergeholt, zu erfunden, um mich in dieses Buch einlesen zu können. Zu viele Personen und zu viele Sprünge verwirren zu sehr, um in ein Geschehen bzw. eine Geschichte zu finden. Zusammenhänge blieben mir ein Rätsel, so brach ich dieses Buch nach 200 Seiten enttäuscht ab.

Mein Fazit:
Als „schönes“ Buch wurde es mir empfohlen, ich fand es nur langweilig

Donnerstag, 7. März 2013

Knast - Joe Bausch

284 Seiten
Biografie
Ullstein Buchverlage
Erschienen am 15.03.2012
ISBN 9783550080043

Klappentext:

Als Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth beugt er sich im Kölner Tatort mit grünem Kittel mürrisch über Leichen. Nach Drehschluss fährt er zurück in sein richtiges Leben: Seit über 25 Jahren arbeitet Joe Bausch als Gefängnisarzt in Werl, einer der größten deutschen Justizvollzugsanstalten.Die Häftlinge vertrauen ihm. Sie erzählen von den dunklen Seiten des Lebens, lassen ihn tief in die Abgründe ihrer Seele blicken. Hautnah erlebt er Konflikte und Tragödien: Ein Mann in U-Haft hat Angst um seine schwangere Frau. Bei Joe Bausch legt er eine Lebensbeichte ab – und erhängt sich zwei Tage später. Ein Mörder gesteht weitere Verbrechen, weil er weiß, dass sein Arzt an die Schweigepflicht gebunden ist. Persönlich und eindringlich erzählt Joe Bausch zum ersten Mal von einer Welt mit ihren eigenen Regeln.
 
Mein Umriss:

Der Schauspieler und Arzt Joe Bausch erzählt aus seinem Alltag als Arzt im Gefängnis Werl.
In diesem Buch erzählt er über viele einschneidende Erlebnisse der Insassen ebenso wie seine eigenen und wie er und die Vollzugsbeamten mit dieser schweren oft fast unlösbaren Aufgabe fertig werden. Auf einige Insassen geht er im Besonderen ein. Ohne jedoch deren Namen und das genaue Verbrechen wegen dem sie einsitzen, zu nennen. Seine eigene Vergangenheit und da insbesondere seine von strenger Erziehung und wenig Zärtlichkeit geprägte Kindheit und Jugend lässt er dabei nicht ausser Acht. Hat er doch festgestellt, dass diese Zeit die Menschen in besonderem Maße prägt und entscheidend dafür ist, wie sie ihr Leben als Erwachsener meistern. Die mentale Belastung seiner Kollegen ebenso wie seine eigene und die seiner Familie bleibt dabei auch nicht unerwähnt. Auch seiner Leidenschaft, der Schauspielerei widmet er einen kleinen Teil dieses Buches.

Mein Eindruck:

Nüchtern geht Bausch auf die Einzelschicksale der Gefängnisinsassen ein und lässt nicht unerwähnt, dass man sich als Bediensteter in Gefängnismauern ein besonders dickes Fell zulegen muss, um daran nicht zu zerbrechen. Anhand diverser Begebenheiten in seiner Kindheit und Jugend bringt er dem Leser nahe, warum er sich ausgerechnet dafür entschied, als Gefängnisarzt zu arbeiten. Hierzu lässt er dann auch ein paar Begebenheiten einfliessen, die den Leser zum Schmunzeln bringen. Wie zB der kurze Weg zum Arbeitsplatz…
Mit den geschilderten Einzelschicksalen gewährt er dem Leser einen Einblick in eine Strafanstalt, wie er sie sonst wohl nie haben würde. Bausch beschönigt und verteidigt nicht, versucht aber zu erklären, warum Strafgefangene so sind, wie sie sind.

Mein Fazit:

Wer sich weniger für Bausch als Person, sondern mehr für dessen Beruf interessiert, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

Montag, 4. März 2013

Das Glücksbüro - Andreas Izquierdo

272 Seiten
DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum Erstausgabe: 01.02.2013
ISBN 9783832162252

Klappentext:

Albert Glück ist ein seltsamer Kauz. Er ist knapp über fünfzig, ein wenig trocken, penibel, und er arbeitet im Amt für Verwaltungsangelegenheiten. Formulare, Stempel, Dienstvorschriften sind seine Welt, in der er sich gut eingerichtet hat. Ganz wörtlich, denn Albert arbeitet nicht nur in dem Amt, er wohnt auch dort. Von allen unbemerkt hat er im Keller einen kleinen Raum bezogen und verbringt zufrieden seine Tage im immer gleichen Rhythmus. Doch eines Tages wird Alberts sorgsam eingehaltene Ordnung durcheinandergebracht. Auf seinem Schreibtisch landet ein Antrag, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, denn er beantragt nichts! Albert tut alles, um diesen unseligen Antrag loszuwerden, doch vergeblich: Immer wieder kehrt er auf seinen Schreibtisch zurück. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich auf den Weg zum Antragsteller zu machen. So trifft Albert auf Anna Sugus, eine ziemlich wilde Künstlerin, die Alberts Welt ganz schön auf den Kopf stellt

Mein Umriss:

Albert lebt seit 35 Jahren im Amt. Er ist Beamter und sein ganzes Leben dreht sich um das Amt und die Bearbeitung der verschiedenen Anträge, die er jeden Tag von Bürogehilfin Susanne auf den Tisch bekommt. Er ist mit Haut und Haaren Beamter. Überkorrekt und manchmal auch ein richtiges Biest, wenn ein Kreuzchen nicht da ist, wo es hingehört.
Jeden Morgen schaut er in die Geburtstagsliste, weil er dann seine Häppchen mit Mayonnaise bekommt, ebenso wie er seine Kollegen im Büro nebenan täglich besucht und ihnen auch manchmal Streiche spielt.
Mittags beobachtet er die Kollegen des Amtes, wie sie den Hungerlauf in Richtung Kantine starten, bevor er dort sein Essen holt und es dann mit seinen Kollegen verspeist.
Plötzlich liegt ihm ein Antrag vor, den es gar nicht geben darf. Albert ist schon fast am Verzweifeln, da es weder den Vordruck gibt noch irgendetwas damit beantragt wird.
Nach 35 Jahren soll er nun die Antragsstellerin zuhause aufsuchen, um die Sache zu klären. Zumal der Antrag sich nicht vernichten läßt

Mein Eindruck:

Mit Glücks Büro zeigt Andreas Izquierdo, dass er sich nicht an einem Genre festgebissen hat. Nach Apocalypsia schaffte er hier einen Sprung, den ich ihm nicht zugetraut hätte, der ihm jedoch perfekt gelungen ist. Von Anfang an war ich im Amt bei Albert Glück und seinem etwas seltsamen Leben, seinen Anträgen und den Kollegen gefangen. Das schafften bisher nur richtig gute Thriller.
Als ich das Cover des Buches sah, dachte ich erstmal, dass ich es mal versuche aber sicher nicht zu Ende lesen werde. Ich versuche immer eine Verbindung vom Cover zum Buchinhalt herzustellen.
Je mehr ich ins Geschehen eintauchte, umso besser gefiel mir dann auch das Cover und zum Schluß war es eine perfekte Wahl. Andreas Izquierdo geht so genau auf die Charaktere ein, dass man meint, sie persönlich zu kennen. Da ist seine Kollegin mit Liebeskummer, der Kollege, der ihm immer wieder Streiche spielt, bis sich Albert rächt und der Kollege dadurch seinen Job verliert. Da ist dann Anna, die ihm zeigt, dass es mehr gibt, als Anträge, Stempel und das Amt und dann noch seine zahlreichen Kollegen und Antragssteller, die man so richtig liebgewinnt je mehr man sich in die Geschichte fallen läßt.

Mein Fazit:

Ein rundum gelungenes und absolut lesenswertes Werk über einen verbeamteten Kauz

Mittwoch, 27. Februar 2013

Kein ganzes Halbes - Muriel Scheu

 
480 Seiten
Wunderlich
Erschienen am 16. Januar 2010
ISBN 978-3805208796

Klappentext:

«Dies ist ein Buch über die Gier, über Unersättlichkeit – nicht zur Nachahmung geeignet.» Muriel Scheu raucht mit 14 Jahren ihren ersten Joint und spritzt sich nur zwei Wochen darauf das erste Mal Heroin – und von diesem Moment an dominieren die Drogen ihr turbulentes Leben. Sie feiert mit Bob Marley, arbeitet für den Regisseur Peter Bogdanovich in Malaysia, teilt ihr Apartment mit den Toten Hosen, setzt Billy Idol seinen ersten Schuss und konsumiert jede verfügbare Droge, von Haschisch über Kokain bis hin zu Heroin. Muriel Scheu erzählt ohne Scham: von LSD-Trips in der Hitze Singapurs, von der Liebe mit einem Unbekannten in einer Opiumhöhle im malaysischen Dschungel, von den Höhen des Rausches und den Tiefen der Abhängigkeit – und vom qualvollen Entzug. Auch als sie längst ein bürgerliches Leben führt, bestimmt Heroin ihren Alltag. Erst nach Jahrzehnten schafft sie es, Abstand zu den Drogen zu bekommen.

Mein Umriss:

Muriel Scheu ist im biederen Sauerland aufgewachsen. Mit einer Mutter, die eher geheiratet wurde, als dass sie eine andere Wahl hätte und einem Vater, dem seine Kinder zwar wichtig waren, der aber doch niemals in irgendeiner Weise aus der Rolle oder dem Raster der Normbürger fallen wollte.
Als älteste von drei Geschwistern sollte Muriel ihrer Schwester und dem Bruder ein Vorbild sein, was sie aber nie wollte. Zum ersten mal in ihrem Leben fühlte sie sich in Niger, in Westafrika wohl, wohin es die Familie aus beruflichen Belangen des Vaters verschlug. Leider wurde der Vater krank und die Familie mußte wieder zurück ins Sauerland. Dort griff Muriel mit 14 zu ersten Zigarette, nicht lange danach dann auch zu Hasch. Sie wollte sein wie eine Minderheit im ländlichen Sauerland. Sie wollte ein Gammler sein, oder ein Hippie. Wollte sich so kleiden wie sie, wollte so cool sein wie sie und wollte vor allem dazu gehören.
Sie erprobte damals nicht nur sich selber und die Nerven ihrer Eltern. Sie versuchte härtere Drogen und bald auch Heroin.
Nach einiger Zeit ging die Familie wieder zurück nach Afrika. Dort war es für Muriel ein Leichtes an ihre Drogenrationen zu kommen, zumal sie die „richtigen“ Leute kennenlernte.
Nach einiger Zeit wieder zurück in Deutschland, brach sie aus allem aus. Aus ihrem Elternhaus, aus dem bisherigen Leben und vor allem aus einem behüteten Umfeld.
Amsterdam war für sie bald kein Traum mehr, sondern ihre eigene schöne Realität. Bis sie verhaftet und ihrem Vater übergeben wurde. Das hinderte Muriel aber nicht, wieder zu fliehen.
In die Drogen, in die Arme der Männer, hier bevorzugt sie die Arme prominenter Männer. Anerkennung und Geld für immer mehr Drogen waren ihr das wichtigste. Zumal sie recht schnell auf Heroin umstieg. Vom Sauerland nach Hollywood, über die Kontinente, bis sie glaubte ihr Leben in München in der Schickeria der 80er Jahre gefunden zu haben. Die Liste ihrer damaligen Freunde liest sich wie das Who-is-who der Musikszene. Einige gerieten durch sie an Drogen, andere nutzten sie sexuell aus und ebenso einige wurden von ihr sexuell ausgenutzt.
Durch ihre Sucht verlor sie das Gespür für wahre Freunde….

Mein Eindruck:

Wie werde ich schnell und effektiv zum Junkie? Oder Wegweiser in den Drogensumpf?
Zwei Fragen, die ich mir bei diesem Buch mehrfach stellte. Muriel Scheu steigt in ihrer Biografie mit einem Erlebnis in Malysia ein, wo sie jederzeit verhaftet und zum Tode verurteilt werden hätte können.
Sie verfasste dieses Buch in Zeitsprüngen, zwischen ihrer Zeit als Junkie, der alles einwarf was ihm in die Finger kam, in ihrer Kindheit, die sie mit Unterbrechungen im Sauerland und in Afrika verbrachte, sowie in den späten 90er-Jahren, als sie eine mehrwöchige Entgiftung durchzog, der eine halbjährige stationäre Therapie folgte.
Offen erzählt sie, wie sie immer versuchte so wie andere zu sein. Sich selber konnte die Autorin so wie sie war nicht akzeptieren. Sie fühlte sich zu dick, zu dumm, zu weinerlich….. Dass sie sich da der Clique zuwandte, die sie am ehesten akzeptierte, war abzusehen. Nur nicht für ihre Eltern, denen das Ansehen der Familie nach aussen wichtiger war. In Muriels Clique machte Hasch die Runde und schon bald wurden ihr Medikamente und Heroin angeboten. Egal, für sie war es wichtig dazu zu gehören.
Muriel Scheu erzählt ihren Aufstieg in der Drogen- und Promiszene ebenso wie ihren tiefen Fall und kommt spät zur Erkenntnis, dass sie erst tief fallen mußte, um wieder aufzustehen.
Lange Zeit hat man als Leser das Gefühl, dass es nichts Schöneres gibt, als drogensüchtig zu sein und mit jedem ins Bett zu springen.
Das kommt zwar erstmal so rüber, aber ziemlich am Ende ihrer Biografie rückt Muriel Scheu diesen Eindruck zurecht und zeigt einen kleinen Einblick, wie schmerzhaft ihr Weg in der Sucht und danach bis zum endgültigen Entzug ist.

Ich würde es meiner Tochter nicht zum Lesen geben, denn wenn sie in der Mitte des Buches aufhören würde, wäre alles von Muriel Scheu erlebte schön und überhaupt nicht gefährlich. Diese Einsicht trifft Scheu erst am Ende des Buches, welche meiner Meinung nach an den Anfang gehörte.

Fazit:

Ein Buch, das ungefestigte Menschen zur Nachahmung animieren könnte, anderen mit Sicherheit aber als Abschreckung dient. Lesenswert auf jeden Fall, auch wenn Jugendliche besser bei der Lektüre begleitet werden. Ich würde es meiner Tochter nicht zum Lesen geben, denn wenn sie in der Mitte des Buches aufhören würde, wäre alles von Muriel Scheu erlebte schön und überhaupt nicht gefährlich.

Sonntag, 24. Februar 2013

Ich war Jack Falcone - Joaquin "Jack" Garcia

270 Seiten
riva
Erschienen am 16.04.2009
ISBN 9783868830187

Klappentext:

Lange bevor Joaquin "Jack" Garcia mit einigen der mächtigsten Capos der New Yorker Mafia verkehrte, war er einer der untypischsten Neuzugänge im Agentenstab des FBI. Unter falscher Identität sollte der gebürtige Kubaner in Mafiakreisen ermitteln und erhielt dafür als erster Geheimagent in der Geschichte des FBI eine fundierte "Gangsterausbildung". In unzähligen Unterrichtsstunden lernte er zu essen, reden und denken wie sein fiktives Alias, der Unterweltler Jack Falcone.
Mit einer Größe von 1 Meter 93 und einem Körpergewicht von 170 Kilogramm sah Jack Garcia wahrlich aus wie ein Gangster, und er spielte seine Rolle so gut, dass die Mafiabosse, mit denen er bald schon Kontakt pflegte, nicht ahnen konnten, dass er als Geheimagent für das FBI im Einsatz war. So erfuhr "Big Jack Falcone", wie er innerhalb der Cosa Nostra genannt wurde, nach und nach alles über die kriminellen Machenschaften des New Yorker Gambino-Clans und dessen Capo Greg DePalma - von Schutzgelderpressungen bis zum kaltblütigen Mord. Der ungewöhnliche Einsatz führte schließlich zu einer Reihe von Razzien und Verhaftungen und zur Zerschlagung des Gambino-Clans - aber auch zu einem Kopfgeld in Höhe von einer viertel Million Dollar, das auf Garcia ausgesetzt wurde.

Mein Umriss:

Als Joaquin „Jack“ Garcia mit seinen Eltern als kubanischer Flüchtling nach Amerika kam, beherrschte er nicht mal die Sprache seiner neuen Heimat. Bald jedoch war für ihn klar, dass er Polizist werden will, um das Verbrechen zu bekämpfen. Und zwar kein normaler Polizist, nein Jack wollte zum FBI und dort gegen das organisierte Verbrechen ermitteln und die ganz großen der Unterwelt zur Strecke bringen.
Sein Start in diesem Beruf war alles andere als leicht, denn er erfüllte in den Augen seines Chefs bestimmte Voraussetzungen so gar nicht. Ein besonderer Dorn im Auge seines Chefs war Garcias Übergewicht, gegen das er anzukämpfen versucht. Was wohl der einzige Kampf in seinem Leben ist, den er nie gewinnen wird.
Er durchlief seine Ausbildung in Quantico und wurde dann nach Philadelphia geschickt. Wo  er seine ersten Schritte als verdeckter Ermittler in den Badlands macht. Und vor allem machte er dort erste Erfahrungen mit Ganoven, Drogenhandel und Geldwäsche. Schnell gewann er das Vertrauen der Kriminellen und machte sich einen Namen in dieser zwielichtigen Gesellschaft. Nach längerer Zeit nach New York versetzt sieht er seine Zeit gekommen, um sich in die Cosa Nostra und dort in den Clan der Gambinos einzuschleichen. Schnell fassten die Mitglieder zu ihm Vertrauen und bezogen ihn in die unterschiedlichsten Aktionen ein. Nun erzählt Jack von seinen Coups, von durchgeknallten Mafiosi, von verängstigten Lokalbetreibern und natürlich von Drogenhandel, Mord und Geldwäsche.
Am Ende stellt man sich verwundert die Frage, wie ausgerechnet ein Kubaner bei der Mafia als Italiener durchgehen kann. Dies war neben der endgültigen Verurteilung von 32 Clanmitgliedern die wohl größte Blamage der Cosa Nostra.
Von vielen ehemaligen Kollegen als Held angesehen, sieht er eher seine Frau als Heldin und fragt sich auch heute noch, nachdem ein Kopfgeld in Höhe von 250.000 $ auf ihn ausgesetzt wurde, wie sie es die ganzen Jahre mit ihm ausgehalten hat.

Mein Eindruck:

Joaquin Garcia bietet einen interessanten Einblick in seine Tätigkeit als FBI Agent und da in besonderem in die Machenschaften der Mafiaclans. Nicht selten sah er sich auffliegen, trug er ja schließlich immer eine Wanze am Körper, um alle Gespräche und Aktionen in seiner Funktion als Mafiamitglied aufzuzeichnen. Garcia zeigt die harte Ausbildung und die hohen Anforderungen an angehende FBI Agenten und dazu auch diverse Abläufe innerhalb des FBI.
Seinen Kampf um Anerkennung und vor allem seinen Kampf um „seinen“ Fall. Nämlich seinen Plan, sich in einen Mafiaclan als Undercoveragent einzuschleichen, um genügend Beweise für die Verurteilung einiger Mitglieder zu sammeln. Unverblümt erfährt der Leser, wie mit ihm umgesprungen wurde, wie er sich seinen Platz im FBI und in der Mafia erkämpfen mußte. Ein Kampf, aus dem er hinsichtlich der Verurteilungen als Sieger hervorging, den er im FBI aufgrund der Vorurteile der Führungsriege nicht gewinnen konnte.
Manchmal hat man als Leser das Gefühl, dass Garcia zwischen Mafia und FBI schwankte. Dies widerlegt er aber immer wieder äußerst glaubhaft, was er zum Ende des Buches hin auch in der Beschreibung seines Lebens als Pensionär erläutert.

Mein Fazit:

Eine Biografie geschrieben wie ein spannender Krimi. Sehr empfehlenswert

Donnerstag, 21. Februar 2013

Lämmerweid - Joachim Rangnick

368 Seiten
List
Erschienen am 15.02.2013
ISBN 9783548611228

Klappentext:

Wo die Toten keine Ruhe finden, ist Journalist Robert Walcher oft nicht weit: Als ein Informant tot am Rande einer Schafweide aufgefunden wird, gerät Walcher unter Mordverdacht. Wusste das Opfer zu viel über die Machenschaften eines Agrarkonzerns? In einer Situation, in der Walcher dringend Freunde bräuchte, kämpft er allein – gegen maßlose Gier und tödliche Skrupellosigkeit. Wem kann Walcher noch trauen?

Mein Umriss:

Auf einer Schafweide wird ein Toter gefunden. Es ist Julian König, der Pressesprecher eines weltweit operierenden Konzerns, mit dem sich Robert Walcher treffen wollte. In Königs Jacke wird die Visitenkarte Walchers gefunden und Hundehaare an seiner Kleidung als die von Walchers Hund identifiziert. Damit ist Robert Walcher für seinen Freund Kommissar Brunner der Tatverdächtige. Als dann noch ein Biobauer, der auf rein natürlichem Weg gezogene Kräuter züchtet und verkauft, von seiner Alpe eine Steilwand hinabstürzt und kurz darauf auf seinem Hof an einen Steinkreis angebunden aufgefunden wird, zieht sich die Schlinge um Walcher immer enger, zumal er die Leiche aufgefunden hat. Und nicht nur der Biobauer, auch dessen Mitarbeiter wurde getötet. Diesen findet Walcher auf dem laufenden Trecker hinter der Scheune.
Nun beginnt Walcher auf eigene Faust zu recherchieren und sticht somit in ein Hornissennest.
Schon bald kommt er dahinter, dass der Konzern für den König tätig war, sich auf die Genmanipulation an Pflanzen spezialisiert hat und somit die Macht über die wichtigsten Lebensmittel weltweit an sich reissen will. Wie weitreichend der Konzern operiert erfährt Walcher recht schnell und ist seines Lebens nicht mehr sicher. Auch seine Familie ist bedroht. Diese jedoch hilft ihm bei seinen Nachforschungen und fördert schon bald Informationen ans Licht, die bisher vor der Öffentlichkeit verborgen blieben. Damit befindet er sich mitsamt seiner Familie in akuter Lebensgefahr….

Mein Eindruck:

Mit Lämmerweid trifft Joachim Rangnick wieder mal voll ins Schwarze. Ein aktuelles Thema in einen vor Spannung vibrierenden Allgäukrimi verwoben und trotzdem nicht an Humor sparend, packt der Autor den Leser an seiner Neugierde und peitscht ihn von Kapitel zu Kapitel. Diese Kapitel sind relativ kurz gehalten und jedes einzelne macht neugierig auf das nächste. Rangnick versteht es, den Spannungsbogen bereits am Anfang recht hoch anzusetzen und ihn permanent oben zu halten. Er vergisst aber nicht, immer wieder Spannungsspitzen zu setzen, sodass man als Leser das Buch einfach nicht mehr weglegen kann. Klasse in der Welt der Pharmazie und Forschung recherchiert und ein aktuelles Thema in eine rasante Krimihandlung verpackt.

Mein Fazit:
Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Ein Muss für jeden Krimifan.

Dienstag, 12. Februar 2013

Höllenritt - Ulrich Detrois


272 Seiten
Ullstein
Erschienen am 12. August 2011
ISBN 978-3548374055

Klappentext:

Mein Name ist Bad Boy Uli.
Ich war Vize-Präsident in der gefährlichsten Rockerbande der Welt.
Ich war ein Hells Angel.
Ich erzähle euch meine Lebensgeschichte – eine Geschichte voller Gewalt, Erpressung und Lügen. Mit diesem Buch werdet ihr in eine euch völlig fremde Welt eintauchen: eine Welt, in der Drogen, Sex und Waffen die Hauptrolle spielen.
Ich habe jahrelang in dieser Welt gelebt.

Mein Umriss:

Ein Urlaub in einem Tropenparadies. Drogen und Alkohol stehen ganz oben auf der Tagesordnung. Hier ist Uli um sich mit anderen Mitgliedern der Hells Angels zu treffen.
Was er nicht weiß, es ist seine letzte Reise als Hells Angel.
In seiner Abwesenheit wird er aus der Gemeinschaft von seinen Brüdern ausgeschlossen.
Wieder zurück in Deutschland wird er zum Gejagten. Es wurde ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt und die Polizei stellte ihn und seine Schwester unter Personenschutz. Er sollte als Zeuge gegen seine ehemaligen Brüder der Hells Angels aussagen.
Das ist sein Todesurteil.
Seine Kindheit war eine behütete in einem durchschnittlichen Elternhaus. Nichts ließ damals darauf schließen, dass Uli irgendwann ein Mitglied einer Motorradgang wird, die als solche die Motorräder nur als Showbestandteil besitzt. Uli ging den Weg der Aufnahme in den Club auf relativ einfachem Weg und schon bald gründete er sein eigenes Charter, in das er einen weiteren Club komplett aufnahm.
Er beteiligte sich ohne schlechtes Gewissen an den Gesetzesbrüchen der Hells Angels, wurde bewundert und bewunderte selber seine Kumpane.
Bis sie ihn klammheimlich aus ihrer Mitte bugsierten.

Mein Eindruck:

Ulrich Detrois erzählt seine Kindheit und Jugend, wie seine Zeit als Hells Angel mit einfachen, aber nicht weniger eindringlichen Worten. Er zeigt auf, dass diese Rockerbande nicht mehr ist, als eine ganze Menge Krimineller, die mit Drogen und Frauen handeln und auch vor Morden nicht zurückschrecken. Er sieht seine Vergangenheit als Hells Angel als ein Kapitel seines Lebens, über das er hier sehr offen spricht und das einfach zu seinem Leben gehört. Reue zeigt er hier eher nicht. Vielmehr das Unverständnis, dass es so gelaufen ist, wie es lief. Allerdings sieht er wohl, dass er jetzt in einem Alter ist, in dem er etwas ruhiger werden sollte und ist sicher auch froh, nicht mehr dem Stress ausgesetzt zu sein, sich vor der Justiz verstecken zu müssen. Allerdings zeigt er seinen Stress auf unter dem er steht, seit das Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wurde. Denn seine ehemaligen Brüder schreckten nicht davor zurück, sich Hilfe in der russischen Szene zu holen.
Er erzählt in diesem Buch seine Biografie und zeigt keine Regung, etwas falsch gemacht zu haben.

Mein Fazit:
Ein Einblick in die Welt der Hells Angels, der auf jeden Fall zu empfehlen ist.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Der Rache Engel - Thomas P.


208 Seiten
Riva
Erschienen am 1. Oktober 2010
ISBN 978-3868830903

Klappentext:

Das Leben von Thomas P. ist nicht mehr viel wert.
Die deutschen Hells Angels haben ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt: 500.000 Euro. Der ehemalige Höllenengel hat das eherne Gesetz des Schweigens gebrochen und als Kronzeuge der Justiz dreizehn seiner Brüder vor Gericht gebracht. Thomas P. wurde zum Racheengel. Nun führt er ein anonymes Leben in der beklemmenden Furcht vor Entdeckung und vor der Rache der berüchtigsten Motorradgang der Welt.

Thomas P. hat für dieses Buch ein weiteres Mal sein Schweigen gebrochen. Er beschreibt schonungslos die entwürdigenden Aufnahmerituale des Clubs, die kriminellen Machenschaften und offenbart die brutalen Vorgänge, die zum ersten Rockermord zwischen den Hells Angels und den Bandidos in Deutschland geführt haben. Eine erschütternde Enthüllungsgeschichte über das wahre Gesicht der Hells Angels.

Mein Umriss:

Thomas P., aufgewachsen in Norddeutschland, Mutter Trinkerin, Vater ebenso.
Ein Kind, das keine Wurzeln hat…..
Thomas P. ist ein eher ruhiges Kind, das sich selber versorgt und nach seinen eigenen Worten auch nicht erzogen wurde. Seine Erziehung fand in den Kneipen statt, in denen seine Mutter verkehrte. Aber irgendwie schaffte er sich trotz allem eine Kindheit, die ihn nicht verzweifeln und verwahrlosen ließ.
Mit siebzehn entschied er sich zum freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr und erhoffte sich dadurch das was er in der Kindheit und Jugend vermisste: Freundschaften, Brüderlichkeit, Zusammenhalt. Er zog seine Grundausbildung durch, wurde schnell befördert und war bei den Vorgesetzten gut angesehen. Als er die Grundausbildung der jungen Soldaten durchführte, unterlief ihm ein Fehler. In einer Gefechtsübung stellte er Kampfszenen zu realistisch dar, was nicht gewünscht war. Kurz darauf endete seine Karriere beim Bund und er wurde ehrenhaft entlassen. Nun stand er wieder allein da und hatte weder Familie noch Freunde.
Er ließ sich zum Personenschützer und zum Werkschützer ausbilden und hoffte in diesem Bereich zu finden, was er vermisste: Freundschaften, Brüderlichkeit, Zusammenhalt.
Er arbeitete in diversen Clubs als Türsteher, als er auf die sagenumwobenen Hells Angels stieß.
Da wollte er hin. Die boten ihm Freiheit, Individualität, Brüderlichkeit, Männerfreundschaften, Selbstverwirklichung. Schon bald merkt er aber, dass es dort anders lief, als nach aussen demonstriert. Nach aussen lautet das Motto „Einer für alle – alle für einen“ die Wahrheit ist jedoch „Einer für alle – jeder für sich“. Schnell wird Thomas P. klar, dass die Hells Angels zwar alles boten, wonach er immer auf der Suche war, aber nichts davon hielten. Als Hells Angel mußte er feststellen, dass es dort nur um Macht, illegale Geschäfte, Unterdrückung und Gewalt geht. Diese Gewalt und Unterdrückung richtet sich nicht nur auf Personen, die nicht den Hells Angels angehören, sondern auch auf die „neuen“ im erlauchten Kreis. Zwei Jahre müssen neue Mitglieder den Members zu jeder Minute zu jeder Tätigkeit und sei sie noch so eklig, zur Verfügung stehen. Das alles ließ Thomas P. über sich ergehen. Sogar ein einem feigen Überfall auf die Bandidos nahm er Teil.
Doch irgendwann sah er ein, dass das nicht sein Welt war und stieg aus. Da wurde es erst richtig hart für ihn, seine Freundin und deren Tochter…….

Mein Eindruck:

Thomas P. beschreibt hier seine Kindheit, Jugend und seine Zeit als Höllenengel. Knallhart rechnet er mit seinen Eltern, Geschwistern und auch den Hells Angels ab. Er bietet Einblick in einen Motorradclub, der keiner ist und der nur von Kriminalität geleitet ist. Sein Idealismus und seine Sehnsucht nach Familie, Freundschaft, Zusammenhalt und Gemeinsamkeit wurde ihm damit fast zum Verhängnis. Als ehemaliger Kronzeuge gegen die Hells Angels lebt er heute unter neuer Identität und an geheimem Ort weitestgehend unerkannt und hofft, dass ihn die Hells Angels niemals finden und ihre Drohung wahr machen. Er zeigt, dass dieser Motorradclub nichts mit Biken, Feiern und gute Laune zu tun hat. Diesen Idealismus hat Thomas P. längst ad acta gelegt.

Mein Fazit:

Ein Buch, das die Augen öffnet und schockiert. Auf jeden Fall empfehlenswert.