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Dienstag, 18. März 2014

Teufelsgrinsen - Annelie Wendeberg

240 Seiten
KiWi-Paperback
Erschienen am 13.02.2014
ISBN 978-3462046434

Klappentext:

In einer Zeit, in der nur Männer an Universitäten zugelassen sind, schneidet sich Anna Kronberg die Haare ab, zieht Hosen an und studiert Medizin.
Als angesehener Arzt gerät sie in das Zentrum einer monströsen Verschwörung und selbst in tödliche Gefahr, der sie nur mithilfe ihres scharfen Verstandes – und dem Beistand von Sherlock Holmes – entkommen kann.

Mein Umriss:

Ende des 19. Jahrhunderts wird London immer wieder von schrecklichen Seuchen heimgesucht. Die Armut in dieser Stadt ist überall bemerkbar. Als ein Choleraopfer tot in der städtischen Wasserversorgung gefunden wird, wird Dr. Anton Kronberg, führender Bakteriologe in England, hinzu gezogen. Schnell wird klar, dass der Mann absichtlich mit den Cholerabakterien infiziert wurde.
Scotland Yard ist nicht sonderlich interessiert an diesem Fall, da begegnet Kronberg dem Detektiv Sherlock Holmes und ermittelt mit ihm zusammen.
Als Holmes hinter Kronbergs Geheimnis kommt, beginnt Anna Kronberg hinter dessen Fassade zu blicken. Zwei ebenbürtige Partner haben sich gefunden, die nun in den Ermittlungsfragen den gleichen Weg beschreiten und sich selber in höchste Gefahr bringen.

Mein Eindruck:

Nein, nie wollte ich ein Buch lesen, in dem Sherlock Holmes vorkommt. Irgendwie reizte es mich dann doch, als mir darüber erzählt wurde. Nein, es wird nicht das letzte Buch mit und über Sherlock Holmes sein. Auch wenn sich die Autorin Annelie Wendeberg hier an einer Figur bediente, die nicht ihrer eigenen Fantasie entsprungen ist, so nimmt man es ihr als Leser nicht übel, ihn ins Geschehen eingebaut zu haben. Das Fachwissen von Anton/Anna Kronberg in Verbindung mit der kriminellen Scharfsichtigkeit von Sherlock Holmes ist hier ein Garant für einen wirklich gelungenen Kriminalfall zum Ende des 19. Jahrhunderts. Wendeberg lässt einen tief in die Welt kurz vor der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert eintauchen. Durch ihre Detailverliebtheit in Bezug auf die Personen und auch deren Umfeld fühlt man sich dieser Zeit und den Geschehnissen zugehörig und es ist sehr schwer, dieses Buch wieder zur Seite zu legen.
Faszinierend an Autorin und Buch ist auch, dass das Werk ursprünglich in Englisch geschrieben wurde und erst zu einem späteren Zeitpunkt als Übersetzung auf den deutschen Markt kam.
Das Cover ist sehr geheimnisvoll gestaltet, ebenso lässt der Klappentext nicht zu tief blicken. Durch die Kombination aus beidem wird die Neugierde, die auf keinen Fall enttäuscht wird, aus der Reserve gelockt.

Mein Fazit:

Ein nicht alltäglicher Kriminalfall, der einen zu fesseln versteht.

Mittwoch, 12. März 2014

Sebastian Fitzek in der BMW Welt München

Krimifestival 2014 – München – BMW Welt

Sebastian Fitzek liest und erzählt zu seiner Karriere und zu seinem neuen Thriller Noah

09. März 2014, herrlichstes Wetter über der Landeshauptstadt Bayerns. Die BMW Welt wird von der Sonne verwöhnt.
Dieses Wetter begrüßte den Schriftsteller Sebastian Fitzek aufs Herzlichste.

Um 15 Uhr ging es los

Eine Mitarbeiterin der BMW Welt kündigte Sebastian Fitzek mit Lobeshymnen an. Dann betritt er die Bühne….
Von Anfang an bester Laune, gewinnt er bereits in den ersten Minuten die vollste Aufmerksamkeit des Publikums. Er verstand es durch seinen Humor und seine lebendige Ausdrucksweise alle in seinen Bann zu ziehen.
Zu Beginn ließ er das Publikum in seinen Start in sein Berufsleben blicken, den er schlagfertig und humorvoll Revue passieren läßt. Ja, auch ein Sebastian Fitzek kam nicht als Schriftsteller zur Welt und nein, er wollte nie einer werden. Wäre da nicht so manche Stolperschwelle in jungen Jahren gewesen, die ihn in diese Richtung laufen ließ.
Tennisspieler wollte er werden, was ihn jedoch schnell erkennen ließ, dass er keiner derjenigen sein würde, die davon leben könnten. Also strebte er ein Studium als Tierarzt an. Ja, das schaffte er nach seinen eigenen Worten…… 3 Monate. Als er dann ein totes Tier sezieren mußte, war auch das vorbei. Also gründete er eine Band und versteckte sich hinter dem Schlagzeug…. Ob es am Bandnamen lag, oder allgemein an der Kunst der Band, darüber schweigt er sich aus. Die Band trug übrigens den Namen Fitzekk. Das zweite k sollte wohl das Additiv im Super Plus sein. Sollte, war aber nicht.
Irgendwann kam er dahinter, dass er einen eher seltenen Namen trägt und wurde dahingehend auch noch unterstützt, indem ihm gesagt wurde, dass er mit so einem Namen nur Schriftsteller werden könnte.
Auch dieser Weg war nicht ganz ohne Hürden, aber von Anfang an vielversprechend. Die Erzählungen über die ersten Lesungen mit 5 Teilnehmern, niedrigen Auflagen und das Umsortieren in den Buchläden trieben den Zuhörern die Lachtränen in die Augen. Namen wollte er nicht nennen, aber wenn es alle machen, warum nicht auch Sebastian Fitzek?

Wie kommt er nur immer wieder auf die Ideen zu seinen Thrillern?
Auch das erzählt er mehr oder weniger ausführlich. Er beobachtet die Menschen und alltäglichen Begebenheiten und so könnte sogar ein bei ihm für Nachbarn hinterlegtes Paket Stoff für einen nervenzerreissenden Thriller werden. Ebenso der Baumpilz, der seinem Wirt alles Lebensnotwengige entzieht, das dieser zum Überleben benötigt und an diesem Pilz stirbt
.
Zu Noah trug er ein Jahr lang alles an Informationen zusammen, das er benötigte, um dieses Buch zu beginnen. Es ist das erste Buch, dessen Handlung auf internationaler Ebene spielt und die allgegenwärtigen Umweltprobleme, wie Überbevölkerung genauer unter die Lupe nimmt. Immer wieder stellt sich Fitzek die Frage, wie viel ist zu viel.
In seiner Lesung trägt er Passagen vor, die nicht zu viel vom Buch verraten, sodass man auf jeden Fall gespannt ist, was einem dieses Werk beschert.
Dass Fitzek der absolute Vater ist, damit hält er nicht hinter dem Berg, als er über die dramatische Geburt seines jüngsten Sohnes Felix erzählt, der 11 Wochen zu früh im Juni 2013 das Licht der Welt erblickte. Auch, dass er seinen Kindern abends, so oft es geht, eine „Schichte“ vorliest.
Dazu jedoch bittet ihn seine Frau irgendwann, doch bitte die Geschichten sorgfältiger auszuwählen, nachdem Tochter Lotte in der Küche zu ihrer Mutter sagte „Ich hab ein hartes Messer, Mama ich muss dich töten“. Dass die Kleine dies aus dem Zusammenhang aus „Die Schöne und das Biest“ gerissen hat, konnte Fitzeks Frau nicht ahnen.

Zwischen diesen Abschnitten aus seinem Leben findet er immer eine gelungene Überleitung, um in wunderbarer Art und Weise, diverse Kapitel seines Buches zum Leben zu erwecken.

Mein Fazit:

Trotz der Vielzahl der Geschichten und Anekdoten hat man immer noch das Gefühl, dass Sebastian Fitzek noch lange nicht fertig ist, aus seinem Leben zu erzählen. Daher war es für mich bestimmt nicht die letzte Veranstaltung mit diesem tollen Schriftsteller, die ich besuchte.

 Hervorragendes Bühnenbild
 Sebastian Fitzek in voller Fahrt
 Noah ist das erste Buch von Fitzek, dessen Handlung auf internationaler Ebene stattfindet
 Hat jemand das FB-Profil gehackt? Bööööse Kollegen
 Wie kommt er immer wieder auf seine Ideen?
 Felix im Juni 2013 - 11 Wochen zu früh
 Felix 3 Monate später
Ob Felix in die Fussstapfen seines Vaters tritt?
 Das kommt davon, wenn man „Die Schöne und das Biest“ zu sehr ausschmückt
 Auch nach dem Vortragsmarathon nach Stunden noch bester Laune

Vielen Dank für diesen tollen Nachmittag

Dornentöchter - Josephine Pennicott

416 Seiten
Weltbild Verlag
Erschienen 2013
ISBN 978-3863656744

Klappentext:

Ein verwunschenes Cottage.
Eine schicksalhafte Begegnung.
Ein lang gehütetes Familiengeheimnis.

Als Sadie in das alte Cottage ihrer Familie in Tasmanien zieht, hofft sie auf einen Neubeginn. Doch das schöne Haus hat ein Geheimnis. Vor Jahrzehnten starb dort Sadies Großmutter auf mysteriöse Weise. Ist die Zeit reif, das Rätsel zu lösen? Über Generationen hinweg hat die Familie geschwiegen, nun will Sadie die Wahrheit ans Licht bringen. Sie dringt tief in die Vergangenheit ein und kommt dabei auch ihrem Traum von einem Leben voller Liebe und Vertrauen näher.

Mein Umriss:

Nach der Trennung von ihrem Mann beschließt Sadie, mit ihrer an Magersucht erkrankten Tochter in das Cottage ihrer Großmutter Pearl, nach Tasmanien zu ziehen. Dort lernt sie gleich am ersten Tag ihre Tante Thomasina kennen, die eine Hütte auf dem Grundstück von Poet´s Cottage bewohnt.
Schon in den ersten Tagen nehmen Bewohner des Ortes Pencubitt Kontakt zu Sadie auf. Mitunter auch Birdie, eine frühere Freundin ihrer Großmutter, die ihr ein Manuskript überläßt, nachdem ihr Sadie erzählte, dass sie hinter das Geheimnis des Todes ihrer Großmutter kommen will. Diese wurde im Jahr 1936 im Keller von Poet´s Cottage ermordet aufgefunden.
Sadie liest sich nun in das Leben von Pearl ein und staunt nicht schlecht, wie unkonventionell diese Frau lebte. Auch wenn sie den Ruf einer Lebedame hatte, so scharte sie doch immer viele Leute um sich. Weniger schön ist sie darin als Rabenmutter dargestellt. Dass Thomasina nicht über ihre Kindheit sprechen will, ist Sadie unverständlich und macht sich somit auf eigene Faust auf die Suche nach dem Wie und Warum.

Mein Eindruck:

Eine Familiensaga? Ein Kriminalroman?
Irgendwie seh ich nichts von beiden in diesem Buch. Eher langweilig dahinplätschernd wird die Ankunft von Sadie und Betty in Tasmanien und im weiteren Verlauf die Lebensgeschichte ihrer Großmutter dargestellt. Stark werden deren schlechten Qualitäten als Mutter, die ihre Tochter Thomasina regelrecht mit ihren Launen qält, dargestellt. Auch die Eskapaden von Pearl, die schlussendlich dazu führten, dass ihr Mann die Flucht antrat und fortan sein Leben mit Birdie teilte, bleiben nicht außer acht. Recht nebensächlich geht Josephine Pennicott auf das eigentliche Thema, den Mord an Pearl und dessen Aufklärung, ein.  Recht langatmig geschrieben, herrscht beim Lesen gähnende Langeweile. Irgendwann war ich einfach nicht mehr bereit, dieses Buch an dem das Cover noch das schönste ist, weiter zu lesen.
Mag sein, dass es für manche eine schöne Familiensaga mit kriminellem Hintergrund ist, ich hab das Buch nach 170 Seiten abgebrochen, weil es einfach zu viele gibt, die erheblich besser, mitreissender und spannender sind.

Mein Fazit:

Dieses Buch zu Ende zu lesen wäre vergeudete Zeit gewesen

Sonntag, 2. März 2014

Ich wünschte, ich könnte dich hassen - Lucy Christopher

367 Seiten
Erfahrungen, Schicksale
Weltbild Verlag
Erschienen 2012
ISBN 978-3551520081

Klappentext:

Die Geschichte einer Entführung – sensibel, verstörend, dramatisch

Du hast mich zuerst gesehen. Auf dem Flughafen, an jenem Tag im August. Dein intensiver Blick, noch nie hat mich jemand so angeschaut. Ich hab dir vertraut. Dann hast Du mich entführt. Raus aus meinem Leben, weg von allem was ich kannte. Hinein ins Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr. Du hast geglaubt, dass ich mich in dich verliebe. Und dort im Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr hab ich mich in dich verliebt. Doch ich wünschte, ich könnte dich hassen.

Mein Umriss:

Flughafen Bangkok. Während der Wartezeit auf den Anschlussflug mit ihren Eltern begegnet die sechzehnjährige Gemma einem jungen Mann, der sie auf einen Kaffee einlädt.
Tyler McFarlane schwebt aber anderes als nur diese Einladung mit Gemma vor. Er entführt das Mädchen, dem er Drogen in den Kaffee schmuggelte, nach Australien.
Mitten in der Wüste erwacht Gemma, in einer Holzhütte aus ihrem Drogenschlaf. Tylor erklärt ihr, die Entführung damit, dass sie sowieso lieber nach Australien wollte, als mit ihren Eltern weiter nach Vietnam zu reisen.
Obwohl sie von ihrem Entführer gut behandelt wird, steht Gemma Todesängste aus, sobald er in ihre Nähe kommt. Mehrere Fluchtversuche scheitern kläglich. Und auf ihrem letzten Versuch  bringt sie sich sogar selbst in Lebensgefahr. Tylor findet sie rechtzeitig und rettet ihr damit das Leben. Als Gemma dann endlich Vertrauen fasst, blickt sie dem Tod wieder ins Auge und Ty fasst eine Entscheidung, die das Leben beider gravierend ändert…..

Mein Eindruck:

Lucy Christopher schrieb diesen Roman in Briefform aus der Sicht des Entführungsopfers Gemma Toombs. Sie lässt die knapp fünf Wochen andauernde Gefangenschaft Gemmas in diesem Brief an ihren Entführer nochmals aufleben.
Sehr gut nachvollziehbar erzählt sie den Ablauf der Entführung und auch das Leben in der australischen Wüste, aus der es kein Entkommen gibt.
Es handelt sich hier zwar um einen Roman, aber dieser ist so realitätsnah geschrieben, dass man bald vergisst, dass es sich um eine erfundene Geschichte handelt. Die Autorin verfasste diesen Brief an den Entführer so wie es eine sechzehnjährige auch tun würde. So ungestüm und ängstlich wie man es von einem Mädchen in dem Alter erwartet, beschreibt sie insbesondere die Fluchtsequenzen, während denen man als Leser mitfiebert, als stünde man daneben.

Mein Fazit:

Die faszinierende Landschaft Australiens gepaart mit einer dramatischen Handlung ergab eine spannende Abrechnung in Tagebuchform.


Freitag, 21. Februar 2014

Halima - Mein Weg aus der Hölle von Darfur

424 Seiten
Droemer
Erschienen am 6. September 2008
ISBN 978-3426274507

Klappentext:

„Darfur. Ein Wort, das mit Blut und Leiden getränkt ist. Ein Begriff, der schreckliche Bilder heraufbeschwört. Schmerzen und Grauen, die in der zivilisierten Welt unvorstellbar gewesen wären. Aber für mich ist Darfur auch noch etwas anderes: Es ist meine Heimat.“

Im Jahr 2005 gelingt der jungen Ärztin Halima Bashir die Flucht aus dem Sudan. In einem der grausamsten Kriege unserer Zeit erlebte sie Leiden und Tod unzähliger Menschen, wurde Zeugin und schließlich auch Opfer von Folter und brutalem Missbrauch – denn sie hat es gewagt, sich aufzulehnen gegen den Terror.

Mein Umriss:

Halima gibt Einblick in ihre unbeschwerte Kindheit, die sie in einem Dorf in der Provinz Darfur im Sudan verbringt. Wohlbehütet in eine liebevolle Familie eingebettet erlebt sie diese Kindheit behütet durch Großmutter, Mutter und Vater. Der Vater erkennt sehr früh, dass aus Halima irgendwann eine kluge Frau werden wird und läßt sie in der nächsten Stadt zur Schule gehen. Schnell bemerkt Halima, dass es nicht überall ruhig und unbeschwert wie auf dem Land ist. Sie wird von Mitschülern arabischer Abstammung herablassend behandelt. Sie nutzen jede Gelegenheit, Halima etwas anzutun. Halima jedoch hat den Stolz der Afrikaner in sich und wehrt sich. Dafür wird sie mit Schlägen durch die Schulleiterin und anderen Strafen durch die Lehrerinnen bestraft. Da diese Frauen ebenfalls arabischer Abstammung sind, denken diese, bessere Menschen zu sein und sehen Schwarzafrikaner als Sklaven. Halina schafft es trotzdem in der Schule hervorragende Leistungen zu erzielen und nach dem Schulabschluß einen Studienplatz zu bekommen, um ihrem Traum Ärztin zu werden endlich Wirklichkeit werden zu lassen.
An der Universität geht es ähnlich weiter, wie zuvor in der Schule. Die Araber denken, sie wären etwas besseres und versuchen ihre schwarzafrikanischen Kommilitonen zu unterdrücken. Die lassen sich das aber nicht gefallen.
Halima schafft ihren Abschluß und kehrt als Frau Doktor Halima Bashir in ihr Dorf zurück. Bald bekommt sie eine Anstellung in einem Krankenhaus. Den Arabern ist jedoch ein Dorn im Auge, dass sie auch im Bürgerkrieg verwundete Schwarzafrikaner respektvoll und nach allen ihr gebotenen Möglichkeiten behandelt. Für Halima sind alle Menschen gleich.
Sie wird jedoch in ein Provinzkrankenhaus versetzt, wo sie schnell feststellen muss, dass ihr auch hier genauestens über die Schulter geblickt wird. Sie wird verhaftet und erleidet schlimmste Folter und Mehrfachvergewaltigungen. Da flieht sie zurück in ihr Heimatdorf. Doch auch dort überschlagen sich die Ereignisse und sie muss wieder fliehen…….

Mein Eindruck:

Halima Bashir erzählt in einer eher einfachen Sprache, wie sie ihre Kindheit und Jugend im Sudan erlebte. Sie malt diese Erinnerungen nicht nur rosarot, sondern erzählt auch von den schwierigen Verhältnissen im Dorf, wo die Frauen teilweise stundenlang laufen müssen, um Brennholz, Kräuter usw. zu sammeln und wie schwierig es war, in die nächste Stadt zu kommen, wo Verwandte lebten.  Ebenso geht sie auf die Hürden ein, die Eltern nehmen müssen, um ihren Kindern die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen. Und vor allem zeigt Halima, wie eng die Familienbande in ihrer Heimat sind. Dies tritt besonders aus ihrer Geschichte hervor, als sie Vergleiche mit ihren Mitmenschen in Großbritannien zieht. Schonungslos und offen erzählt sie auch über ihre Verschleppung, die Folter und die Vergewaltigungen, so dass einem beim Lesen Tränen in die Augen steigen. Man erlebt als Leser fast körperlich ihre Ängste mit, als sie auf der Flucht ist. Ebenso empfindet man die Rückschläge, die sie in Großbritannien immer wieder einstecken muss.

Mein Fazit:

Ein Buch für jeden der die Augen vor den Begebenheiten in Afrika nicht verschließen wollen und können

Samstag, 8. Februar 2014

Was geschah mit Mara Dyer? - Michelle Hodkin

480 Seiten
Deutscher Taschenbuch Verlag
Erschienen am 1. März 2013
ISBN 978-3423715362

Klappentext:

Als Mara aus einem mehrtägigen Koma erwacht, erfährt sie, dass über ihr ein altes verlassenes Haus zusammengestürzt ist. Ihre beiden Freundinnen konnten nur tot geborgen werden, die Leiche ihres Freundes Jude wurde nicht gefunden. Mara hat keine Erinnerung an jene Nacht und begreift nicht, warum sie die Katastrophe als Einzige überlebt hat. Seit dem Unglück hat sie Albträume und Visionen – immer wieder sieht sie ihre toten Freunde, bis sie nicht mehr weiß, was Realität ist und was Einbildung. Als sich die mysteriösen Todesfälle in ihrer unmittelbaren Nähe mehren, sucht sie Hilfe bei ihrem Mitschüler Noah. Doch der hat ein eigenes dunkles Geheimnis...

Mein Umriss:

Mara erwacht nach einer Woche aus einem Koma. Sie kann sich an nichts erinnern. Langsam und schonend bringen ihr ihre Eltern bei, dass das baufällige Haus, in dem sich Mara, ihre zwei Freundinnen und ihr Freund Jude aufhielten einstürzte und sie die einzige Überlebende dieses Unglücks ist.
Um Mara nicht immer wieder mit alten Erinnerungen zu konfrontieren entschließen sich ihre Eltern zu einem Umzug nach Florida. Hier fühlt sich Mara aber nicht zuhause. In der Schule wird sie abgelehnt, ihre Mutter sieht psychische Störungen an ihr, die sonst keiner erkennt und Mara verzweifelt fast daran, sich an nichts erinnern zu können. Nachdem ein Mann auf schreckliche Weise zu Tode kam, dem sie den Tod wünschte und ihr immer wieder ihre toten Freunde erscheinen, glaubt Mara irgendwann auch, dass sie verrückt ist und entschließt sich, zu einer Psychologin zu gehen.
Als sie dann auch noch von ihrer Spanischlehrerin ungerecht behandelt wird, die kurz darauf tot aufgefunden wird und ihr Bruder verschwindet, ist sich Mara endgültig sicher, dass etwas mit ihr nicht stimmt und bittet ihren Mitschüler Noah, ihr zu helfen, hinter das Geheimnis zu kommen.

Mein Eindruck:

Schnell ist man im Geschehen und gleichzeitig immer wieder verwirrt darüber, was Mara widerfährt. Michelle Hodkin versteht es aber durch klitzekleine Hinweise den Leser ans Geschehen zu fesseln. Sie verfügt über eine jugendliche, leicht verständliche Schreibweise, die zu keinem Zeitpunkt flapsig wirkt. Das Buch ist aus Maras Sicht in der Ich-Form verfaßt, was das Ganze noch spannender macht, weil man als Leser das Gefühl hat, mit Maras Augen zu sehen und zu fühlen. Besonders die Gefühle hat die Autorin so wirklichkeitsnah beschrieben, dass man diese fast selbst empfindet. Auf jeden Fall interessiert mich nun der zweite Band über Mara brennend und ich hoffe, diesen bald in Händen zu halten, um zu sehen, wie Mara und Noah mit ihren Erkenntnissen ihr Leben meistern.

Mein Fazit:

Geheimnisumwittert und spannend – ein Jugendbuch, das auch Erwachsene zu fesseln versteht.

Freitag, 24. Januar 2014

Doctor Sleep - Stephen King

704 Seiten
Heyne Verlag
Erschienen am 28. Oktober 2013
ISBN 978-3453268555

Klappentext:

Eine mörderische Sekte hat es auf Kinder abgesehen, die das Shining haben. Stephen King kehrt zu einem seiner berühmtesten Romane zurück: Der kleine Danny, der im Hotel Overlook so unter seinem besessenen Vater hat leiden müssen, ist nun erwachsen. Aber die Vergangenheit lässt ihn nicht los. Auch das Mädchen Abra hat das Shining. Kann er sie retten?

Mein Umriss:

35 Jahre nachdem das Overlook-Hotel niedergebrannt ist hat Dan Torrance, der kleine Junge der die Katastrophe damals überlebte, seine Berufung gefunden. Um dahin zu gelangen ging er durch die Alkoholsucht und lebte wie ein Vagabund. Jetzt arbeitet er in einem Hospiz, in dem er seine Fähigkeiten bei den Menschen einsetzen kann, die seine Hilfe am nötigsten brauchen. Bei den Sterbenden. Diesen hilft er durch sein Wesen, seine Ruhe und seine Geduld beim Übertritt in den ewigen Schlaf. In diesem Hospiz bekam er auch den Titel Dr. Sleep.
Als er sein Zimmer in einem Turm des Hospizes bezog, fand er dort eine alte Tafel. Auf dieser Tafel erschienen Nachrichten, die er zuerst nicht zuordnen kann, bis ein Mädchen sich in seine Gedanken einschleicht. Per Gedankenübertragung wird der Kontakt immer intensiver, bis sie sich kennen lernen. Was Dan von ihr dann erfährt, ruft die alten, vergessen geglaubten und im Alkohol ertränkten Erinnerungen wieder hervor.
Abra verfügt ebenso wie er über das Shining und daher sieht sie sich durch eine seltsame Gruppe verfolgt. Diese Gruppe weiß von Abras übermäßigem Steam, der Hauch den sie im Sterben ausstoßen würde, der ihnen das weitere Leben sichern würde. Dan will ihr von nun an Helfen, zumal er eine ganz besondere Beziehung zu ihr und ihrer Familie sieht. Dadurch gerät er ebenfalls ins Visier Abras Verfolger….

Mein Eindruck:

Schon auf den ersten Seiten war ich von der Story gefesselt. Leider driftete King nach ca. 30 Seiten in gähnende Langeweile ab, die erstmal nicht enden wollte. Ich gab dem Buch eine Chance bis Seite 200, wollte dann aber doch erfahren, ob er sich mit der Handlung doch noch berappelt.
Nach der ersten Hälfte gewann die Story endlich an Fahrt und ich konnte nicht mehr zu lesen aufhören. Wobei ich mir trotzdem die Frage stelle, warum gerade um dieses Buch so ein Hype veranstaltet wurde. Es ist wahrlich nicht Kings bestes Werk und kommt nicht mal annähernd an Shining, dessen Fortsetzung es ist, heran.
Für die zweite Hälfte hat sich der Kampf durch die erste Hälfte gelohnt, auch wenn sich meine Begeisterung in Grenzen hält.
Mir hätte es gereicht, wenn erwähnt worden wäre, dass Dan Torrance wie auch damals sein Vater dem Alkohol verfiel und mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker den Weg aus der Sucht fand. Die immer sich wiederholenden Sitzungen der AA an denen Dan teilnahm und wann er welche Auszeichnungen bekam, bläht das Buch nur unnötig auf und bremst die eigentliche Story unangenehm.
Eine Sache jedoch berührte mich ganz besonders. Es war das Erlebnis mit Deenie. Das Mädchen gabelte Dan in einer Kneipe auf und er verbrachte die Nacht mit ihr. Gemeinsam mit Deenie gab er sein Geld für Kokain aus, welches sie gemeinsam konsumierten. Am Morgen wollte er sich so gar nicht gentlemanlike klammheimlich verkrümeln, als plötzlich ein kleiner Junge vor ihm stand, der nach seiner Mutter fragte. Als der Junge die Kokainreste auf dem Tisch sah, meinte er es wäre Zucker und wollte hin. Dan beseitigte das Kokain und legte es an eine Stelle, an die der Junge nicht ran kam. Danach klaute er Deenie noch 70 Dollar und verschwand. Ein Erlebnis, das ihm Jahre später noch zu schaffen machte.

Mein Fazit:

Lesbar, wenn auch nicht überragend. Es gibt bessere Werke von King

Freitag, 10. Januar 2014

Frostglut - Jennifer Estep



432 Seiten
Ivi Verlag
Erschienen am 1. Oktober 2013
ISBN 978-3492703048

Klappentext:

„Mein Name ist Gwen Frost, und ich bin offiziell das Date des heißesten Jungen der Mythos Academy. Doch nicht die Schnitter des Chaos machen mit diesmal einen Strich durch die Rechnung, sondern ausgerechnet Logans Vater!
Denn der überreicht mir eine Anklage des Protektorats – und das, obwohl doch jeder weiß, dass ich nur gegen meinen Willen eine Rolle bei Lokis Befreiung gespielt habe! Jetzt muss ich nicht nur Logans Dad beweisen, dass ich zu den Guten gehöre, sondern verhindern, dass ich zum Tod verurteilt werde. Ganz sicher stecken Lokis Anhänger hinter alldem. Wenn ich nur wüsste, welchen Plan sie verfolgen…“

Mein Umriss:

Endlich hat es Gwen geschafft. Sie hat ein Date mit Logan, dem begehrtesten Jungen an der Mythos Academie. Sie ist so aufgeregt, dass sie nur sinnloses Zeug plappert und zu allem Überfluß kippt sie ihm auch noch die Getränke über die Kleidung. Logan jedoch ist nur Gwen wichtig, da treten alle Missgeschicke in den Hintergrund.
Insgeheim rechnet Gwen ja damit, dass da noch irgendwas schief gehen könnte, aber dass nicht die Schnitter ihr in die Quere kommen, sondern eine Anklage durch das Protektorat, damit hat sie nicht gerechnet.
Das Protektorat wirft ihr vor, mit den Schnittern gemeinsame Sache zu machen und eine Mitschuld am Geschehen zum Winterkarneval zu tragen.
Da die Anklage öffentlich im Pantheon vorgetragen wird, wendet sich daraufhin der Großteil ihrer Mitschüler von ihr ab. Nur wenige glauben an ihre Unschuld. Diese zu beweisen bringt jedoch alle gleichermaßen in Lebensgefahr….

Mein Eindruck:

Nach Frostherz nun der vierte Band über die Mythos Academy und deren Schüler und Lehrer. Jennifer Estep versteht die Fortsetzungen so zu schreiben, dass man das Gefühl hat, nie zu lesen aufgehört zu haben. Schnell ist man vom Geschehen gefangen und man fühlt mit Gwen, als würde man neben ihr stehen. Mittlerweile hat es sich schon als Running gag eingeschlichen, dass Gwen mindestens einmal pro Band die Schulbibliothek samt den Vitrinen mit den Artefakten früherer Zeiten schrottet. Estep läßt sogar einfliessen, dass genau das Gwen inzwischen schon peinlich, aber fürs Geschehen unerlässlich ist. Die Autorin geht hier wieder voll in ihrer lockeren aber niemals flapsigen Schreibweise auf, mit der sie den Spannungsbogen langsam aber stetig fast bis zum Zerreissen spannt, bevor sie es zum Knall kommen läßt. Logisch, dass es zwar einen kleinen Schluß gibt, aber eben nur einen kleinen, denn schließlich will sie ja auch noch nichts vom nächsten Abenteuer Gwen Frosts, ihrer Freunde und der Lehrer der Mythos Academy verraten. Meine bisherige Erfahrung bei Mehrteilern war ja die, dass im Laufe der Zeit die Geschichte oder die Personen so abflachen, dass das Lesen irgendwie keinen Spaß macht. Hier warte ich aber jetzt gespannt auf Band 5.

Mein Fazit:

Wer Band 1 bis 3 gelesen hat, sollte diesen Band auf keinen Fall versäumen. Wer die Bände noch nicht gelesen hat, sollte dies schnellstens nachholen.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Der stille Sammler - Becky Masterman


400 Seiten
Bastei Lübbe
Erschienen am 19. April 2013
ISBN 9783785724767

Klappentext:

DAS BÖSE HAT VIELE GESICHTER. BRIGID QUINN KENNT SIE ALLE.
Als Brigid Quinn an den Leichenfundort in der Wüste Arizonas gerufen wird, erkennt die ehemalige FBI-Agentin sofort die Handschrift des Route-66-Killers: Floyd Lynch, der die Polizei zu den beiden Toten geführt hat, scheint jener Serienkiller zu sein, den Brigid viele Jahre vergeblich gejagt hat. Doch irgendetwas stimmt nicht, das spürt auch Laura Coleman, die nun die Ermittlungen im Fall Lynch leitet. Verzweifelt, weil niemand ihre Bedenken teilt, vertraut sie sich Brigid an - und ist kurz darauf spurlos verschwunden ...

Mein Umriss:

Ein Mann beobachtet eine Frau in einem ausgetrockneten Flußbett. Sie sucht Steine für ihren Garten. Von ihr scheinbar unbemerkt parkt er seinen Wagen am Ufer und begibt sich zu Fuß in ihre Richtung. Er weiß nicht, dass sie ihn die ganze Zeit über sehr genau beobachtet hat und als er sie angreift, geht sie davon aus, es mit dem Highwaykiller zu tun zu haben, der jahrelang einmal im Jahr eine Frau an der Route 66 tötete. Jetzt sollte Brigid Quinn dran glauben. Allerdings rechnet der Mann nicht mit einer so heftigen Gegenwehr und zieht im darauffolgenden Kampf den Kürzeren.
Brigid Quinn war bis zu ihrem Ruhestand erfolgreiche FBI-Agentin, die ihre Karriere durch eine unüberlegte Aktion vorzeitig beenden mußte.
Kurz vor dem Ereignis im Flußbett wurde der mutmaßliche Serienkiller Floyd Lynch festgenommen. Bei ihm vermuten die Beamten, dass es sich um den berüchtigten Route-66-Killer handelt, der auch eine ihrer Kolleginnen auf dem Gewissen hat.
Erhärtet wurde der Verdacht anhand der Tatsache, dass er in seinem Truck eine mumifizierte Leiche mitführt, an der er sich erwiesenermaßen immer wieder sexuell verging. Auch kennt er Einzelheiten der Morde der vergangenen Jahre, die nie der Öffentlichkeit mitgeteilt wurden. Er führt die Beamten zu einem Autowrack in den Bergen, in dem sie weitere zwei mumifizierte Leichen vorfinden, an denen sich Lynch vergangen hatte.
Er weiß vieles, jedoch einen wichtigen Hinweis kann er nicht geben. Aus diesem Grund zweifelt Quinn daran, dass er der wahre Serientäter ist. Auch die Agentin Coleman ist davon schnell überzeugt.
Als die beiden Frauen die Ermittlungen in diese Richtung aufnehmen, befinden sie sich in höchster Gefahr….

Mein Eindruck:

Zum Einstieg in diesen Thriller erlebt der Leser den Überfall auf Brigid Quinn und ihren Kampf ums Überleben. Nach dem Prolog blickt die Autorin 10 Wochen zurück.
Becky Masterman hat einen rasanten, spannungsgeladenen Schreibstil, der zu keinem Zeitpunkt überhastet wirkt. Sie beschreibt ihre Personen und deren Umfeld sehr detailverliebt, jedoch keineswegs langatmig oder gar langweilig. Es paßt einfach jedes Teilchen zum anderen und daraus konstruiert sie einen Thriller, der seinesgleichen sucht. Als Leser hat man das Gefühl mitten im Geschehen zu sein, die Geräusche zu hören, die Luft zu riechen und sogar zu schmecken. Mit jedem der relativ kurz gehaltenen Kapitel steigert sie den Spannungsbogen etwas mehr, bis es zum Ende hin zu einem unerwartetem Showdown kommt, mit dem man nicht rechnet. Zumal der wahre Täter beim Leser nie in Verdacht gerät, ein Serienkiller zu sein. Mit diesem Showdown allein gab sich Masterman jedoch noch nicht zufrieden. Sie zeigt dem Leser auch, wie es mit den Hauptpersonen danach weiter geht und läßt damit diesen Thriller leise ausklingen.

Mein Fazit:

Spannung perfekt auf den Punkt gebracht. Unbedingt empfehlenswert.

Freitag, 27. Dezember 2013

Ficken sag ich selten - Olaf Blumberg

224 Seiten
Biografie
Ullstein Verlag
Erschienen am 11. Oktober 2013
ISBN 9783550080128

Klappentext:

Olaf Blumberg flucht, bellt, zuckt heftig und unwillkürlich, und das meistens in den unpassendsten Situationen – in der Bahn, in der Uni, in der Kirche, bei der neuen Freundin. Olaf hat Tourette. Hier erzählt er, wie er gelernt hat, diesen Dämon zu akzeptieren. Ein tragikomisches, anrührendes Buch über ein Leben mit einer unberechenbaren Krankheit.

„Tourette ist ein Clown, ein Kind, ein Freund, ein Diktator und ein fluchender Philosph.“

Mein Umriss:

Olaf Blumberg wurde 1984 geboren und schon als Kind zeigten sich die Anfänge seiner lebenslangen Krankheit. In dieser Zeit wurden seine Tics, wie das ruckartige Bewegen des Kopfes und das Bellen, wie er es nennt, nicht als Krankheit, sondern eher als schlechte Angewohnheit gesehen. Diese „Angewohnheit“ brachte ihm einigen Tadel, wie auch Frotzeleien durch Gleichaltrige ein.
Er selbst erkannte die Tics auch nicht als solche, sondern wunderte sich nur immer wieder über die seltsamen Reaktionen seiner Mitmenschen in gewissen Situationen.
Mit zunehmendem Alter verstärkten sich seine Tics. Im Studentenalter tickte er laut und unflätig. Die Ausdrücke zielten meist unter die Gürtellinie seiner Mitmenschen oder gipfelten im verbalen Hitlergruß. Irgendwann sah er ein, dass er sich untersuchen lassen mußte und ein Ärztemarathon begann für ihn. Da viele Ärzte jedoch noch nie etwas mit dem Tourette-Syndrom zu tun hatten, konnten sie auch nicht qualifiziert helfen. Es wurde versucht, den jungen Mann mit Medikamenten ruhig zu stellen, was die Tics teilweise verstärkte oder ihn so dämpfte, dass er fast nicht mehr in der Lage war, am normalen Leben teilzunehmen. Eine betroffene junge Frau die er kennenlernte gab ihm den Rat, sich selbst in die Psychiatrie einzuweisen. Wobei die erst Klinik für ihn ein Flop war. Erst in der zweiten Klinik fühlte er sich gut aufgehoben und auch ernst genommen. Dort wurde ihm empfohlen, sich um ein Studium zu kümmern, das er besser mit seiner Krankheit in Einklang bringen kann. Somit wechselte vom Lehramtsstudium im Bereich Germanistik in den sozialen Bereich, in dem er seine Berufung fand.
Irgendwann war ihm klar, er muss den Rest seines Lebens mit Tourette klar kommen. Er hat keine andere Wahl….

Mein Eindruck:

Olaf Blumberg erzählt seinen langen Weg von der Erkenntnis, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmen kann, bis zur Diagnose Tourette, die ihm erstmal den Boden unter den Füssen wegzog. Seinen Leidensweg mit diversen Medikamenten läßt er ebenso wenig aus, wie das Gefühl aus einem normalen Leben von seinen Mitmenschen ausgeschlossen zu sein. Er schreibt offen und unverblümt über seine Tics und die Reaktionen seiner Mitmenschen, die unterschiedlicher nicht sein können. Seine Offenheit über die Krankheit zu schreiben, ohne mit ihr zu kokettieren macht ihn unwahrscheinlich sympathisch, auch wenn man als Leser sicherlich nicht sagen kann, wie man auf ihn reagieren würde, stünde er plötzlich vor einem und ticct.
Dass diese Krankheit eine Behinderung darstellt, erwähnt Blumberg eher am Rande.
Olaf Blumberg brachte zu Papier, was viele Betroffene wahrscheinlich totschweigen und dafür verdient er vollsten Respekt.

Mein Fazit:

Ein junger Mann von seiner Krankheit scheinbar ins Abseits gedrängt, schafft den Weg ins Leben.