Seiten

Freitag, 9. Mai 2014

River Singers - Tom Moorehouse

224 Seiten
rororo
erschienen am 02.05.2014
ISBN 9783499212239

Klappentext:

Etwas kam näher. Sylvan strengte alle Sinne an und lauschte. Kein Zweifel: Irgendetwas war in ihrem Bau. Da - ein leichtes Trippeln. Dann ein Schnüffeln. Sylvans Nackenhaare stellten sich auf.
Sylvan und seine Geschwister sind voller Angst: Ein unbekanntes Tier wildert in ihrem Territorium, und das Volk am Großen Fluss droht zu verschwinden. Den vier Schermäusen bleibt nichts anderes übrig, als den heimatlichen Bau zu verlassen und sich ein neues Territorium zu suchen. Doch auf ihrer langen Reise entlang des Großen Flusses warten viele Gefahren und Abenteuer auf sie. Wird es ihnen gelingen, ein neues Zuhause zu finden?

Mein Umriss:

Sylvan lebt mit seiner Mutter und seinen Geschwistern Fern, Orris und Aven am großen Fluss Sinethis. Bisher waren die Jungen von ihrer Mutter wohlbehütet im Bau aufgewachsen, doch nun kommt der große Tag. Sie dürfen raus.
Schon früh wird Sylvan wach und kann es kaum erwarten, dass seine Geschwister wach werden. Er hat nur ein Ziel. Er will raus und die Welt kennen lernen. Als sich dann alle am Ausgang des Baus eingefunden haben, geht es los. Die Mutter zeigt ihren Jungen ihr Revier, wobei sie auch auf das Weibchen des Nachbarreviers treffen und die Jungen schnell merken, dass sich Schermäuse nicht unbedingt wohlgesinnt sind, wenn sie aufeinander treffen. Sie lernen die besten Futterplätze kennen und werden von ihrer Mutter auf das Leben vorbereitet, indem sie sie immer wieder vor den draussen lauernden Gefahren erzählt.
Nach diesem ersten Ausflug  der erst am Abend endet, kehren sie zurück in ihren Bau und freuen sich schon auf weitere Ausflüge. In der Nacht wird Sylvan wach, weil er seltsame Geräusche hört.
In dieser Nacht geschieht Schreckliches und Sylvan muss es seinen Geschwistern beibringen. Ein Feind drang in ihr Revier ein und sie sind in höchster Gefahr. Den kleinen Sängern, wie sie sich nennen, bleibt nur die Flucht und die Suche nach einer neuen Bleibe. Dabei geraten sie nicht nur einmal in höchste Lebensgefahr….

Mein Eindruck:

Aus der Perspektive des Mäuserichs Sylvan ist diese Geschichte erzählt, die in groben Zügen an Watership down erinnert. Schnell ist man im Geschehen und fiebert mit den Mäusegeschwistern mit, wenn sie immer wieder in Gefahr geraten. Dass ihre Erlebnisse nicht immer glimpflich ablaufen liegt auf der Hand. Der Autor Tom Moorehouse schaffte es jedoch, dem Leser nichts vorzuenthalten und trotzdem auf brutale Ausschmückungen diverser Begebenheiten zu verzichten.  Unblutig und doch endgültig stellt er Kämpfe dar, die sich zwischen den Schermäusen und ihren Feinden ereignen. Es ist ein Leichtes in die Geschichte einzutauchen und sich treiben zu lassen. Man lebt, leidet und fiebert mit den jungen Mäusen, die nichts anderes wollen, als in Frieden leben. Aber um dieses Ziel zu erreichen müssen sie manches Abenteuer bestehen und einige Verluste hinnehmen.
In einer leichten, lockeren Schreibweise trifft der Autor genau die Zielgruppe, die erreicht werden soll. Auch wenn dieses Buch für Kinder ab 9 Jahren geschrieben ist, so wird auch so mancher Erwachsene davon begeistert sein. Denn die Botschaft die es übermittelt, betrifft jung und alt:
Mit echten Freunden erreicht man alles.

Mein Fazit:

Sehr gutes Erstlingswerk eines Autors, von dem hoffentlich noch mehr erscheinen wird

Dienstag, 6. Mai 2014

Puls - Stephen King

556 Seiten
Heyne
Erschienen 2006
ISBN 9783453028609

Klappentext:

Der Horror hat eine neue Dimension

Das Grauen kommt nicht aus Gräbern oder aus dem Weltraum. Es ist mitten unter uns und steckt in jeder Handtasche. Das Handy ist ein moderner Heilsbringer, doch in Stephen Kings „Puls“ kommen mit dem Klingelton Wahnsinn und Tod.

Clayton Riddell ist geschäftlich in Boston, hat schon Geschenke für seine Familie besorgt und möchte sich vor der Heimfahrt gerade bei einem Straßenhändler ein Eis kaufen, als die Welt untergeht. Geschäftsleute, Schüler, Busfahrer, alle Menschen, die in diesem Moment ein Handy am Ohr haben, laufen wie auf einen geheimen Befehl hin Amok, fallen übereinander her, schlachten sich gegenseitig ab, stürzen sich ins Verderben. Irgendwie können Clay, ein kleiner Mann mit Schnurrbart und ein junges Mädchen, das beinahe von ihrer Mutter umgebracht worden wäre, sich in ein Hotel retten. Sie sind völlig abgeschnitten von der Außenwelt. Clay will unbedingt herausfinden, wie es um seine Frau und vor allem um seinen Sohn Johnny steht, der gerade in der Schule war, als der mörderische Irrsinn losging. Zu ihm muss Clay Kontakt aufnehmen, bevor ein anderer es per Handy tut. Die Suche nach Johnny wird zur Schreckensmission durch eine apokalyptische Welt.

Mein Umriss:

Boston, 1. Oktober ca. 15 Uhr. Die Welt ist in Ordnung.
Clayton Riddell hat ein Geschenk für seinen Sohn erstanden, das er nun fröhlich in einer Tüte an seiner Seite schwingt. Er kauft sich ein Eis an einem Eiswagen und beobachtet die Menschen in seiner Umgebung. Mehrere Handys klingeln. Clayton beobachtet eine junge Frau, wie sie sich meldet. Ihre Äußerung „Wer sind sie? Wer bin ich?“ bekommt Clayton mit, bevor die Frau los rennt und in vollem Lauf einen Masten rammt. Überall scheinen in diesem Moment Menschen durchzudrehen. Ein Mann beißt seinem Hund ein Ohr ab, andere metzeln sich gegenseitig regelrecht nieder, wieder andere springen ohne erkennbares Motiv aus Fenstern, oder stürzen sich vor Autos und Bahnen. Ein unvorstellbares Chaos bricht los.
Clayton flüchtet und kommt schließlich in einem Hotel an, wo er sich mit Alice, einem jungen Mädchen und dem einzigen noch anwesenden Hotelangestellten verschanzt. Inzwischen ist Tom zu der Gruppe gestoßen, die sich nun auf den Weg macht, um Claytons Sohn und seine Frau zu suchen. Von denen hofft er, dass sie dieses unvorstellbare Inferno an Gewalt überstehen werden, das seiner Meinung nach allein durch die Handys ausgelöst wurde.
In einem Randbezirk von Boston finden sie Unterschlupf in Toms Haus, wo sie von dessen Kater erwartet werden und ein paar Tage und Nächte verbringen.
Immer weiter steigert sich ihre Angst, als sie tagsüber beobachten, was in den Straßen passiert. Dass sie nicht bleiben können steht ausser Frage. Also machen sie sich auf den Weg in Richtung Norden, auf dem sie immer wieder in Lebensgefahr geraten.
Ihnen ist klar, dass irgendein Impuls der von den Handys abgegeben wurde, für den Zustand der meisten Menschen verantwortlich ist und hoffen nun, irgendwo in diesem Chaos ihre Angehörigen zu finden. Noch größer ist die Hoffnung, dass diese ihr Handy nicht in Händen hielten, als die meisten Menschen zu mörderischen Zombies wurden…..

Mein Eindruck:

Stephen King greift mit diesem Roman ein Phänomen der Zeit auf. Jeder hat ein Handy, jeder macht sich vom Handy abhängig und ohne Handy geht gar nichts mehr.
Er verwandelt einen Segen der Technologie in einen regelrechten Fluch und macht ihn zum Mordinstrument ferngesteuerter Menschen. King bediente sich hier wohl dem Phänomen der „Schläfer“ die aufgrund von Hypnose per Anruf zu Killern werden. Bei Schläfern im Agentenmilieu handelt es sich jedoch um Einzelpersonen, wobei King in Puls den Großteil der Bevölkerung durch einen per Handy gesendeten Impuls zu mordenden Bestien werden läßt.
An sich ist der Grundgedanke zu diesem Buch sehr gut, allerdings verlief sich King in teilweise sehr langatmige Passagen und vergißt darüber hinaus sogar das Rätsel zu lösen. Die Protagonisten spekulieren darüber, allerdings bleibt der Verursacher und der Grund des Ganzen leider unerwähnt.
Nach 70 Seiten wollte ich aufgeben, weil bis dahin nur sinnloses Gemetzel stattfand. Ich blieb jedoch dran und ließ mich von der Neugierde weiter treiben. Ich wollte wissen, ob Clayton seine Familie findet. Aber nicht nur das, ich wollte wissen, was wirklich geschah, wer der Urheber war und was dessen Motiv dafür war.
Leider bekam ich trotz Durchhaltens meine Fragen nicht geklärt und somit schloss ich das Buch äußerst unzufrieden ab.
Als sehr störend empfand ich auch die zahlreichen Rechtschreib- und Satzstellungsfehler, die ich nicht King, sondern eher dem Übersetzer und den Lektoren ankreide.
Ein King, sei er noch so schlecht, hat es nicht verdient wie ein Schnellschuß behandelt zu werden.

Fazit:

Durchhalten wird leider nicht belohnt – Bisher Kings schlechtestes Buch.

Samstag, 3. Mai 2014

Uwe Laub zu Gast bei Marcus Sammet

Marcus Sammet trifft…

in seiner Reihe mit dem Motto Sammet trifft… hat Marcus Sammet am 3. Mai 2014 den Thriller-Autor Uwe Laub nach Neubiberg eingeladen.
Dort traf Uwe Laub auf ein kleines aber feines Publikum von Lesebegeisterten, welchen er sich selber und sein Buch „Blow out“ vorstellte.
Marcus Sammet interviewte ihn und brachte Uwe Laub dazu, ein paar Geheimnisse seines Autorenlebens preis zu geben. Teilweise sehr ernst, aber auch teilweise mit einem herzlichen Lachen beantwortete er die von Marcus Sammet gestellten Fragen wie etwa danach wie er mit einer Schreibblockade umgeht. Solche gibt es für ihn nicht, da er ein Planer ist und sich selber somit anhand seiner Planung durchs Schreiben führt.
Dass sein Thriller Blow out ursprünglich 700 Seiten hatte, von denen er unter körperlichen Schmerzen 200 wieder entfernte, erzählt er ebenso, wie über seine jahrelangen Recherchearbeiten zu seinem Erstlingswerk. Auch wie er auf die Idee dazu kam, verriet er den gespannten Zuhörern gerne. Ein Bericht im TV über die Machenschaften bei der Methangasgewinnung ließ ihn in dieses Thema eintauchen, weiter recherchieren und um dieses Thema herum eine brisante Story ersinnen.
Welches Lebensmotto er denn habe wurde er gefragt. Diese Frage beantwortete Laub erstmal mit einem herzlichen Lachen, nach dem er uns dieses mit einem weiteren Schmunzeln wissen ließ:

„Nimm das Leben nicht so ernst, Du kommst eh nicht lebend raus“

Die Frage nach seinem Lieblingsschriftsteller beantwortete er ohne lange zu überlegen mit Stephen King. Diesen Schriftsteller bewundert er wegen seines ausserordentlichen Talentes des bildhaften Schreibens und seiner unerschöpflichen Fantasie.
Wie viele andere Autoren auch, landete Uwe Laub auf Umwegen in seinem Beruf als Autor, den er im Moment neben seinem Beruf in der Pharmazie ausübt.

In der Folge des Interviews hatte das Publikum die Möglichkeit, Uwe Laub zu sich selber und seinem Werk Blow out zu befragen. Das Publikum ließ sich nicht zweimal bitten und legte los und Uwe Laub blieb keine Antwort schuldig.
Natürlich stand die Frage nach seinem gewählten Thema in Blow out und die Recherche dazu an erster Stelle. Zu seinem Thriller wollte er Wissenschaftler in seine Recherchen mit einbeziehen und schrieb diese an. Leider war es diesen Wissenschaftlern wohl wichtiger in der Danksagung am Ende des Buches zu erscheinen, anstatt sich über ein brisantes Thema eines Neuautoren zu äußern. Denn auf Laubs Anfragen wollten diese Herren erstmal wissen, wer er den sei und wieviele Bücher er denn schon herausgebracht hätte. Nachdem sie dann erfahren hatten, dass es sein Erstlingswerk werden sollte, herrschte das große Schweigen im Walde.
Also blieben ihm nur google und Bibliotheken. Wobei an diesen Stellen die Recherche viel umfangreicher und aufwendiger gestaltet ist, da nicht alles geglaubt werden darf, was insbesondere google so ausspuckt.
Zu privaten Dingen hielt sich das Publikum angenehm zurück, obwohl Laub gerne erzählte, dass er seit kurzer Zeit zwischen München-Pasing und Stuttgart, seiner Heimatstadt der Liebe wegen pendelt.

Nach Interview und Diskussion hatten die Besucher die Möglichkeit, sich ihr Exemplar von „Blow out“ mit einer Widmung von Uwe Laub versehen zu lassen, wobei er sich auch gerne in die eine oder andere Unterhaltung verwickeln ließ.

Es bestand auch die Möglichkeit, Bücher von Marcus Sammet und Uwe Laub käuflich zu erwerben. Auch Marcus Sammet stellte sich dem Publikum, überließ jedoch seinem Freund Uwe bereitwillig Publikum und Bewunderung. Allerdings ließ sich auch Sammet nicht zweimal bitten, seine Thriller zu signieren, was er natürlich ebenso begeistert wie Uwe Laub tat.

Eine rundum gelungene Veranstaltung in familiärem Kreis mit einem Newcomer der Thrillerszene, von dem wir sicherlich noch viel hören und lesen werden.

Vielen Dank Uwe Laub und Marcus Sammet

Weitere von Marcus Sammet veranstaltete Interviews und Lesungen, sowie Videos der bereits stattgefundenen Veranstaltungen sind HIER zu finden.

 Das mit viel Humor geführte Interview
 
Uwe Laub liest den Prolog aus „Blow out“, seinem Erstlingswerk

Gerne beantwortet er Fragen zu seinem Buch, seiner Arbeit als Autor und vielem anderen

 Auch Marcus Sammet möchte „Blow out“ haben
 Auf Tuchfühlung mit den Fans
 Marcus Sammet signiert
 Uwe Laub signiert
 Sammets Bücher (laut Aussage einer Leserin „harter Tobak“)


Mittwoch, 16. April 2014

Das Kind - Sebastian Fitzek

400 Seiten
Knaur
Erschienen am 10. März 2009
ISBN: 978-3426637937

Klappentext:

Mein Name ist Simon.
Ich bin zehn Jahre alt.
Ich bin ein Serienmörder.

Simon Sachs, ein todkranker zehnjähriger Junge, ist fest davon überzeugt, in einem früheren Leben ein Mörder gewesen zu sein. Und er kann es beweisen, indem er seinen Anwalt zu Fundstellen von Leichen führt – Menschen, die grausam ermordet wurden, exakt wie das Kind es zuvor beschrieben hat. Doch die Morde geschahen lange vor seiner Geburt…

Mein Umriss:

Simon Sachs ist zehn Jahre alt und schwer krank und braucht einen Anwalt. Einen guten Anwalt, denn er ist überzeugt, ein Serienmörder zu sein. Hierzu flieht er mit der Krankenschwester Carina in einem Krankenwagen aus dem Krankenhaus. Sie treffen sich mit Robert Stern, einem der erfolgreichsten Berliner Strafverteidiger auf einem stillgelegten Fabrikgelände. Hier erzählt ihm Simon von seiner Vergangenheit. Der Vergangenheit vor seiner Geburt, in der er gemordet hat. Davon ist er nach einer Rückführung jedenfalls überzeugt.
Als Stern sich den ersten Tatort ansieht, fällt ihm ein schrecklich zugerichteter Leichnam im wahrsten Sinne des Wortes in den Schoß. Das war Simons Beweis dafür, dass er seinen ersten Mord vor fünfzehn Jahren verübte. Nun geht die Suche weiter, denn dieser Tote war nicht das einzige Opfer in einer langen Reihe.
Langsam erhalten Stern und Carina immer tiefere Einblicke in eine Szene, die schrecklicher nicht sein könnte und bringen sich und Simon damit in höchste Lebensgefahr….

Mein Eindruck:

Mit diesem Buch hat Fitzek wieder einen Volltreffer gelandet. Die Protagonisten spartanisch beschrieben, geht er umso genauer auf die Handlung ein und peitscht den Leser von einer Spannungsspitze zur nächsten. Er tummelt sich mit seiner Fantasie in den für die meisten unvorstellbaren Verbrechen eines Pädophilenkreises und sorgt nicht nur für eine Überraschung. Keineswegs vorhersehbar führt er den Leser in Hochgeschwindigkeit auf die Jagd nach den Mitgliedern eines Verbrecherkreises, der so unsäglich verwoben ist, dass es fast unglaublich ist.
Seine Schreibweise ist wie immer leicht verständlich, aber keineswegs platt. Er versteht es, den Leser an Buch und Handlung zu fesseln, wie wenige andere Autoren, sowie den Spannungslevel schon am Anfang sehr hoch anzusetzen, ihn oben zu halten und immer wieder in Spitzen zu treiben, die immer wieder überraschen. Sehr gute Recherche betrieb er im medizinischen Bereich, ebenso im Bereich der Polizeiermittlungen, der Psychologie und Parapsychologie, deren Einzelheiten zu keinem Zeitpunkt übertrieben oder aufgesetzt wirken.
Seine Danksagungen am Ende des Buches sind ebenso humorig wie seine Lesungen, die er mit persönlichen Dingen spickt, sodass man mehr als einmal schmunzelt.
Das Cover zu diesem Buch ist perfekt gewählt. Geheimnisvoll und doch unheimlich.
Kurz: Wo Fitzek drauf steht ist Fitzek drin

Fazit:

Wer Spannung und schlaflose Nächte liebt, sollte dieses Buch nicht ungelesen im Buchladen stehen lassen

Freitag, 11. April 2014

Sechs Millionen Kekse im Jahr - Jessica Thom

220 Seiten
Verlag Hans Huber
Erschienen am 9. April 2014
ISBN 978-3456853680

Klappentext:

Jessica Thom hat das Tourette-Syndrom. Das bedeutet, dass sie Laute von sich gibt und Bewegungen macht, die sie nicht kontrollieren kann. Außerdem gehört sie zu den zehn Prozent der Tourette-Betroffenen, die unwillkürlich mit Schimpfwörtern und Obszönitäten herausplatzen. Sie sagt aber auch oft „Keks“, nämlich 16 Mal pro Minute – das macht sechs Millionen Mal pro Jahr!
Und dann sind da noch ihre mitunter lebensgefährlichen Arm- und Beintics.

Mit Tourette zu leben, kann sehr schwierig sein, nicht zuletzt deshalb, weil die Betroffenen oft auf Unverständnis und feindselige Reaktionen stoßen. Es kann aber auch inspirierend und ausgesprochen lustig sein. Jess gibt uns in ihrem Buch Einblick in ein Jahr ihres Lebens als Touretteshero und beleuchtet darin das ganze Spektrum ihrer Erfahrungen. Wir lernen ihr großartiges Unterstützerteam kennen – Fat Sister, Leftwing Idiot und King Russell – und begegnen zahlreichen Fremden, deren unberechenbare Reaktionen ermutigend, aber auch ungeheuer verletzend sein können.

Willkommen im Keksland!

Mein Eindruck:

Jessica Thom zeigt Monat für Monat innerhalb eines Jahres ihr Leben als Tourette-Betroffene. Sie erzählt über ihre Tagesabläufe, immer wieder sich ändernde Verbale Tics, die in ganze Gedichte ausarten. Diese Gedichte beinhalten teilweise obszöne Inhalte und beziehen auch prominente des aktuellen Zeitgeschehens mit ein. Sie stellt ihr Leben in ihrer „Höhle“ vor und wie sie dort von ihren Helfern einen weitestgehend sicheren Ablauf gewährleistet bekommt. Am alltäglichen Leben im Beruf und unterwegs teilzunehmen ist ihr wichtig, auch wenn sie oft ausgelacht und angefeindet wird, so erfährt sie auch oft, dass Menschen interessiert auf sie zugehen und fragen, warum sie schreit, quiekt und sich unkontrolliert bis hin zu gefährlichen Stürzen bewegt. Wenn sie sich irgendwo vorstellt, dann stellt sie zugleich ihr Tourette-Syndrom mit vor, das sie ja nicht abstellen kann. Gerne gibt sie über diese neurologische Störung Auskunft und erntet meist Verständnis für ihre für gesunde Menschen unvorstellbare Erkrankung.
In übersichtlichen, kurz gehaltenen Kapiteln erzählt sie z.B. über die Hochzeit von Fat Sister und King Russell, auf der sie eine Rede halten sollte, über ein Essen mit ihrer Mutter, die Tourette als ständigen Begleiter ihrer Tochter akzeptiert hat, über ihre berufliche Arbeit in einer sozialen Einrichtung und vor allem über das vorbildliche Gesundheits- und Sozialsystem in Großbritannien, das Tourette-Betroffene vorbildlich behandelt, fördert und unterstützt.
Ein Buch, das mit viel Humor, Ironie, Wortwitz und auch Nachdenklichkeit von Jessica Thom verfaßt wurde und durch eine einzigarte Art sich auszudrücken, den Leser von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr los läßt.

Mein Fazit:

Ein Buch, derb, lustig, schockierend, poetisch, kekshaft, surreal und immer wieder aufs Neue überraschend

Mittwoch, 9. April 2014

Grausam - Vanessa Steel

384 Seiten
Arkana
Erschienen am 20. April 2009
 ISBN 978-3442338375

Klappentext:

Eine traumatische Kindheit und die heilende Kraft der Seele

Vanessa Steel wurde von Geburt an von ihrer Mutter grausam gequält. Sie wäre daran fast zugrunde gegangen, hätte sie nicht eines Tages ein Geheimnis entdeckt, das ihr letztlich das Leben gerettet hat. Dies ist ihre aufwühlende Geschichte – ganz und gar unglaublich, dennoch wahr und tröstlich.

Mein Umriss:

Vanessa Steel wurde 1950 geboren und erlebte eine unvorstellbar qualvolle Kindheit. Schon im Alter von zwei Jahren wurde sie von ihrer Mutter brutal verprügelt und mußte sogar mit ansehen, wie die Mutter versuchte, ihren Bruder mit einem Kissen zu ersticken.
Als ihr Bruder an Epilepsie erkrankt, war er gerettet. Dafür überlegte sich die Mutter tagtäglich neue Grausamkeiten, um die kleine Vanessa physisch und psychisch zu misshandeln. Auf Hilfe vom Vater hofft das Mädchen vergeblich, denn er ist nur am Wochenende zuhause und glaubt ihr nichts von dem, was sie ihr über ihr Leid erzählt. Er will es nicht glauben, weil er sowas seiner Frau einfach nicht zutraut. Auch sexueller Missbrauch durch den Vater seiner Frau nimmt er nicht wahr. Erst als Vanessa sich ihrer Tante gegenüber öffnet, greift seine Mutter ein. Somit bleibt Vanessa zwar der brutale Missbrauch des Großvaters im weiteren Verlauf ihrer Kindheit erspart, aber sie ist weiterhin ihrer Mutter ausgeliefert……

Mein Eindruck:

Vanessa Steel erzählt über ihre Kindheit und Jugend als Adoptivtochter einer sadistischen Mutter, die sie bis aufs Blut quält und wie sehr sie darunter leidet, dass ihr der geliebte Vater nicht hilft, sondern die Mutter immer wieder in Schutz nimmt. Sie geht in ihren Erzählungen sehr tief in die Details, sodass man als Leser zwischen Wut und Trauer schwankt. Glaubhaft geht sie auf die Erscheinungen ein, die sie während ihrer Qualen und auch nachts hat. Es sind nach ihren Worten so etwas wie Geister, die sie schützen und ihr Ratschläge erteilen, wie sie ihr Leid zu ertragen lernt. Auch über Visionen, die sie Geschehnisse der Zukunft sehen lassen, hat das Mädchen immer wieder. Ihren Eltern ist das unheimlich, zumal sie auch den Mord an John F. Kennedy in einer Vision sieht , der kurz darauf wirklich geschieht. Steel hat eine starke, sehr ausführliche Ausdrucksweise und nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie über ihre Qualen und Verletzungen und die Ignoranz ihres Umfeldes schreibt.

Mein Fazit:

Die wahre Geschichte einer Jugend, die ans Herz geht und nichts für schwache Nerven ist

Montag, 7. April 2014

Sabine Sinjen Schauspielerin - Aufzeichnungen aus meinem Leben mit Christiane Landgrebe

351 Seiten
Bertelsmann Club GmbH
Erschienen 1995

Klappentext:

Sabine Sinjen war der unumstrittene Liebling des Kino- und Fernsehpublikums. Doch der Starkult der frühen Jahre war ihr nicht Erfüllung:
Sie wurde zur großen Bühnenschauspielerin und Charakterdarstellerin, denn dem Theater galt ihre wahre Liebe. An der Seite berühmter Kollegen und Regisseure setzte sie mit ihrer Bühnenarbeit Maßstäbe.
Doch plötzlich befällt Sabine Sinjen eine heimtückische Krankheit, und binnen kurzem ändert sich ihr Leben und das ihrer Familie dramatisch.
Alles spricht gegen sie, aber Sabine Sinjen trotzt dem Schicksal, sie zeigt Mut und Lebenswillen, arbeitet auch weiterhin am Theater. Sie kämpft bis zum letzten Augenblick….

Mein Umriss:

Zum Ende ihres viel zu kurzen Lebens erzählt Sabine Sinjen aus ihrer Kindheit und Jugend, wie sie beim Theater landete und sogar nach Hollywood und Frankreich sollte. Sie fühlte sich jedoch nur auf der Bühne richtig zuhause und lehnte internationale Angebote ab. Sie wirkte zwar immer wieder in deutschen Filmen der Nachkriegszeit an der Seite von Romy Schneider, Heidi Brühl, Peter Kraus und vielen anderen mit, aber ihr Herz hat sie ans Theater und die Bühne verloren.
Sie startete ihre erfolgreiche Bühnenkarriere am Berliner Schillertheater und führte sie kontinuierlich auch an anderen Häusern weiter. Zwischendurch wirkte sie immer wieder in Fernsehproduktionen wie in der Fernsehserie „Der Kommissar“ mit und spielte auch da noch in Filmen mit den Großen der damaligen Zeit mit. Ihr Weg jedoch führte sie immer wieder zurück auf die Theaterbühnen.
Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere schlug das Schicksal gnadenlos zu. Sie erkrankte an Tränendrüsenkrebs. Diese Krankheit schien nach der ersten Operation besiegt zu sein, kehrte jedoch mit voller Macht nach längerer Zeit wieder zurück. Nachdem sie von 1963 bis 1984 mit dem Regisseur Peter Beauvais verheiratet war, lebte sie zu diesem Zeitpunkt in einer glücklichen Beziehung mit dem Regisseur Günther Huber, von dem sie ihren Sohn Simon hatte. Kurz vor ihrer zweiten und auch dramatischsten Operation, bei der sie ihr Auge und Teile ihrer Gesichtsknochen verlor, heiratete sie Günther Huber.
Dieser begleitete sie mit viel Optimismus durch ihre Krankheit und auch die weitere Karriere auf der Bühne, die sie weiter mit Hochdruck vorantrieb. Irgendwann jedoch wußte sie, dass die Krankheit stärker sein wird……

Mein Eindruck:

Sabine Sinjen erzählt sehr lebhaft von ihrer Kindheit in München und Hamburg, von ihrer Entdeckung und ihre Lehrer und Förderer. Sie läßt den Leser fast spüren, wie sie sich auf der Bühne und beim Film fühlte und mit wie viel Eifer sie arbeitete, um ihrem Traum als Theaterschauspielerin immer näher zu kommen.
Mit viel Gefühl erzählt sie über die ersten Erfahrungen mit Männern und ihre lange Beziehung zu dem viel älteren Peter Beauvais, dem sie auch nach der Scheidung in freundschaftlicher Liebe verbunden war. Sehr intensiv geht sie auf die Zeit nach der Krebsdiagnose ein und hier insbesondere darauf, wie sie gegen diese Krankheit kämpfte und trotzdem weiter auf der Bühne stand.
Auch ihr zweiter Mann Günther Huber kommt in diesem Buch zu Wort. Gegen Ende, als Sabine Sinjen ihren Kampf verlor, trug er einen sehr liebevollen Beitrag zum Leben dieser wunderbaren, seiner Frau bei.

Fazit:

Ein Buch über den Beginn einer wunderbaren Karriere und das schreckliche Ende einer großen Mimin, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Mittwoch, 2. April 2014

Der weiße Neger vom Hasenbergl - Günther Kaufmann

304 Seiten
Diana Verlag
Erschienen am 10. Februar 2005
ISBN 978-3453265066

Klappentext:

Um seine Frau zu schützen, gesteht der Schauspieler Günther Kaufmann eine Mordtat, die er nicht begangen hat. 831 Tag sitzt er dafür im Gefängnis. Dann werden die mutmaßlichen Täter gefaßt. In seinem Buch erzählt er von seiner Kindheit in München als Sohn eines schwarzen Gis, wie er von Fassbinder zum Star gemacht wird und Jahrzehnte später die Tragödie seines Lebens erlebt.


Mein Umriss:

Günther Kaufmann wurde 1947 als Kind einer Münchnerin und einem Besatzungssoldaten geboren. Als der Mann seiner Mutter aus der Gefangenschaft zurück kehrte, nahm er den Jungen wie seinen eigenen an, ohne es ihn jemals spüren zu lassen, dass er nicht von ihm war. Kaufmann wuchs wohlbehütet auf und zog später mit seinen Eltern von Schwabing ins Hasenbergl. Er wollte unbedingt Trompeter werden, was ihm sein Vater aber nicht gestattete. Also erlernte er erst einen soliden Beruf, bevor er sich auf die Suche nach seiner Berufung machte. Aber erstmal stand die Pflicht an und zwar mußte er zur Bundeswehr. Sein Wunsch war als Zeitsoldat bei der Marine zu dienen, was ihm auch gelang. Dort machte er auch zum ersten mal Bekanntschaft mit homosexuellen Männern, die sich scheinbar zu ihm hingezogen fühlten. Es sollte nicht bei dem einen mal bleiben, dass er sich Annäherungsversuchen erwehren mußte. 1969 entdeckte ihn Rainer Werner Fassbinder, für den er immer wieder Nebenrollen besetzen durfte. Nun war er seinem gefaßten Ziel Schauspieler zu werden schon ganz nahe. Seine wilde Anfangszeit als Schauspieler wurde von Frauengeschichten, Saufgelagen und zwei zerbrochenen Ehen begleitet.
Als er dann seine dritte Frau Sandra kennenlernte, meinte er das große Glück endlich gefunden zu haben. Die ersten Jahre war dieses auch nahezu ungetrübt. Er leistete sich ein Anwesen in der Algarve und konnte sich weiterhin über zahlreiche Rollen in den Fassbinder-Filmen freuen. Es schien, als lebten er und Sandra auf der Sonnenseite des Lebens. Bis sie an Krebs erkrankte. Schnell waren die Ersparnisse aufgebraucht und ihm blieb nichts anderes übrig, als das Anwesen in Portugal zu verkaufen. Da machte ihm Sandra den Vorschlag, das für ihn in die Hand zu nehmen. Schnell war das gesamte Geld aufgebraucht und sie brauchten einen Geldgeber. Den fanden sie im Steuerberater Hartmut Hagen, den Sandra im Laufe der Zeit um ein stattliches Vermögen brachte. Als Hagen dann einem Mord zum Opfer fiel, gerät Kaufmann in dringenden Tatverdacht und beschließt als ohnehin Verdächtiger alles auf sich zu nehmen, um seine Frau zu schützen. Für sie ging er ins Gefängnis, wo ihm nach langer Zeit die Augen geöffnet wurden…..

Mein Eindruck:

Günther Kaufmann erzählt in dieser Biografie aus seiner Kindheit als Besatzungskind, die Hänseleien der Mitschüler, die sich über seine dunkle Hautfarbe lustig machten. Seine für ihn verwunderliche Entdeckung und die spätere Karriere als Schauspieler stellt er als wahrgewordenen Traum dar. Ebenso wie sein schlafwandlerisches Vertrauen in seine dritte Frau, die ihn nach Strich und Faden belog und betrog  und nicht einmal kurz vor ihrem Tod die Wahrheit sagte, weshalb er damit rechnen mußte, die 15 Jahre Gefängnis für eine nie von ihm durchgeführte Tat verbüßen zu müssen. Den Schmerz den er beschreibt, als sich sein Sohn von ihm abwandte spürt man als Leser fast körperlich.
Dieses Gefühlschaos das Günther Kaufmann durch seine Erzählung heraufbeschwört, kommt mit Sicherheit dadurch zustande, dass Kaufmann schrieb, wie ihm der Schnabel gewachsen war.
Hätte ihn seine Tochter nicht immer wieder dazu angehalten, wäre diese Biografie wohl nie zustande gekommen.

Mein Fazit:

Die aufregende Lebensbeichte eines Mannes, der immer wieder auf die Füße fiel, egal wie tief der Fall war

Samstag, 29. März 2014

Die chinesische Sängerin - Jamie Ford

368 Seiten
Bloomsbury Berlin
Erscheint am 31.09.2014
ISBN 978-3827011848
Erscheinungsdatum: 31.03.2014

Klappentext:

Seit dem Tag, an dem der leblose Körper seiner Mutter aus dem Haus getragen wurde, lebt William Eng im Waisenhaus. Als er im Kino die schöne Sängerin Willow Frost sieht, ist er überwältigt. Täuschend ähnlich sieht sie seiner Mutter. Entschlossen, den fernen Filmstar aufzuspüren, läuft er fort, schlägt sich auf den Straßen Seattles durch, sucht sie in Theatern und Lichtspielhäusern. Er muss Willow Frost finden. Er muss beweisen, dass sie seine Mutter ist, und endlich erfahren, was damals passierte.
Vor dem Hintergrund der Großen Depression im Seattle der dreißiger Jahre hat Jamie Ford einen berührenden Roman über einen Jungen geschrieben, der nicht aufhört, an die Liebe seiner Mutter zu glauben, der alles wagt, um sie wiederzufinden.

Mein Umriss:

Willam Eng lebt im Waisenhaus. Aus rationellen Gründen wird dort nicht jeder Geburtstag der Kinder gefeiert, sondern alle zusammen an einem einzigen Tag. An diesem Tag dürfen die Jungs auch eine einzige Frage stellen. Die Frage nach ihren Eltern. Selten jedoch erfahren sie die Wahrheit von den Nonnen, die das Sacred-Heart-Waisenhaus mit strenger Hand führen. Auch William will etwas über seine Herkunft erfahren, bekommt jedoch nur eine ausweichende Antwort. Wie an jedem Geburtstag bekommen die Jungen ein paar Cent in die Hand gedrückt und machen einen Ausflug nach Seattle.
Dort entdeckt William ein Plakat über den Auftritt einer Sängerin und ist von da an der festen Überzeugung, dass diese Sängerin seine Mutter ist.
Er flieht ein paar Tage später mit der blinden Waise Charlotte, um sich auf die Suche zu machen. Auf die Suche nach seiner Mutter, seiner Vergangenheit und seiner Geschichte. Allerdings werden die beiden Kinder aufgegriffen und wieder zurück ins Waisenhaus gebracht. Aber nicht bevor sie Liu Song, die chinesische Sängerin getroffen haben, die William aus ihrer Vergangenheit erzählt.
Eine bittere Vergangenheit im Amerika zur Zeit der Rezession, der spanischen Grippe und des Börsencrashes und der Rassentrennung nicht nur nach schwarz und weiß….

Mein Eindruck:

Jamie Ford beschreibt in diesem Roman über einen Waisenjungen auf der Suche nach seiner Mutter und dessen Vergangenheit das Amerika des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, in dem es die Menschen durch die Rezession, die Grippe-Pandemie und den Börsencrash nicht leicht hatten, sich aber durch ihre Ansichten und Vorurteile das Leben noch schwerer machten. Sehr gefühlvoll beschreibt er die Geschichte von Liu Song, deren Mutter in zweiter Ehe mit einem Geschäftsmann alles andere als glücklich ist. Wie sie den Verdacht hegte, dass er sie umgebracht hat, um sich an Liu Song, seiner Stieftochter zu vergehen. Vor allem wie Liu Song ihr Leben, nachdem sie den Stiefvater mit einem Trick aus der Wohnung vertrieben hat, versucht in den Griff zu bekommen. Eine alleinstehende Chinesin mit Kind war der größte Makel, der einer Chinesin damals anhaftete. Da war es noch eher erträglich, dass sie von den weißen Amerikanern wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden. Eindrucksvoll geht Ford auch auf die Entwicklung der Filmindustrie ein, die sich in dieser Zeit mit Riesenschritten entwickelte. Immer wieder beschreibt er, wie an Filmsets und Theatern gearbeitet wurde. Jedoch auch das daraus resultierende Sterben der Musikalienhandlungen, Theater und Stummfilmkinos und immer wieder die Not der Bürger, die keine Arbeit und mit Hunger, Geldmangel und Krankheit zu kämpfen hatten. Er zeigt Liu Songs Kampf gegen den Stiefvater, sowie gegen das Jugendamt und ihre steil ansteigende Karriere als Schauspielerin, die niemals ihren kleinen Sohn vergaß.
Zwei bestehende Handlungsstränge, einer davon bezieht sich auf das Jahr 1934, in dem William aus dem Waisenhaus flieht und seine Geschichte aufzeigt und der andere, der sich mit der Zeit ab 1921 und somit dem Schicksal seiner Mutter beschäftigt, laufen zum Ende hin geschickt ineinander.
Zu keinem Zeitpunkt ist dieses Buch langweilig. Der Autor hält permanent den roten Faden fest und verliert sich nicht in unnötigem Blabla, sodass am Ende eine völlig runde Geschichte daraus wurde, die ich nur als perfekt gelungen bezeichnen kann.

Mein Fazit:

Wer ruhige Töne liebt und auch gerne in vergangene Zeiten eintaucht, sollte sich dieses Buch auf jeden Fall gönnen

Dienstag, 25. März 2014

Noah - Sebastian Fitzek


560 Seiten
Bastei Lübbe
Erschienen am 20.12.2013
ISBN 978-3785724828

Klappentext:

Er weiß nicht, wie er heißt. Er hat keine Ahnung, wo er herkommt. Er kann sich nicht erinnern, wie er nach Berlin kam, und seit wann er hier auf der Straße lebt. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, nennen ihn Noah, weil dieser Name tätowiert auf der Innenseite seiner Handfläche steht. Noahs Suche nach seiner Herkunft wird zu einer Tour de force. Für ihn und die gesamte Menschheit. Denn er ist das wesentliche Element in einer Verschwörung, die das Leben aller Menschen auf dem Planeten gefährdet und schon zehntausende Opfer gefunden hat.

Mein Umriss:

Als er zu sich kommt, befindet er sich in einem unterirdischen Bereich der Berliner U-Bahn und kann sich an nichts erinnern. Schmerzen in seiner Schulter lassen ihn erahnen, dass irgend etwas passiert ist das nicht alltäglich ist und woraus ihn der Obdachlose, der sich um ihn kümmerte, wohl gerettet haben mußte. Erschreckend für ihn ist jedoch, dass er sich an absolut nichts erinnern kann. Sogar sein Name ist aus dem Gedächtnis gelöscht. Daher nannte ihn der Obdachlose Noah, nach der Tätowierung die er auf der Handfläche trägt und über die er auch nichts weiß.
Noah belächelt die Marotten seines Retters, zu allem die Quersummen zu errechnen und daraus zu schließen, ob etwas gut oder schlecht für ihn ist. Auch die Begründung, warum er ausgerechnet im Untergrund lebt und nicht versucht, in einem Obdachlosenasyl unter zu kommen. Gewisse Dinge stellen sich im Laufe der Zeit als gar nicht so abwegig heraus. Insbesondere als die beiden nach Noahs Anruf bei einer Zeitung, in der er ein Bild wieder erkannte, ins Hotel Adlon kommen sollte. Dort wird er von den Angestellten erkannt und mit einem ihm unbekannten Namen angesprochen. Als er dann die für ihn reservierte Suite betritt, stürzen die heftigsten Erinnerungsbrocken auf ihn ein. Er glaubt, seinen eigenen Tod zu sehen. Als dann plötzlich Leute auftauchen, die ihn töten wollen beginnt die Flucht ins Ungewisse….

Mein Eindruck:

Mit diesem Thriller zeigt Sebastian Fitzek eine andere, nicht weniger interessante Seite von sich. Nämlich den kritischen Beobachter seiner Umwelt und was mit dieser geschieht. Er ersann zu diesem Roman ein erschreckend realistisches Szenario, das für Leser die ohne Scheuklappen durchs Leben gehen, keineswegs absurd erscheint. Er weist zwar darauf hin, dass das meiste frei erfunden ist, hat aber auch viele Dinge verwendet und eingebaut, wie sie für die zivilisierten Staaten und deren Bürger normal sind. Durch den Blick nach Manila auf eine der größten Müllhalden der jetzigen Zeit, auf der Kinder wie Erwachsene im Müll leben und sich vom Müll ernähren indem sie ihn verkaufen, zeigt er immer wieder, dass es nicht selbstverständlich ist im Wohlstand zu leben. Erschreckend stellt er die Gefahr der Überbevölkerung dar, die schon jetzt ein nicht zu verleugnendes Problem in Bezug auf das ist, was die Erde noch erträgt. In wenigen Jahren werden natürliche Ressourcen aufgebraucht sein, die dem Menschen heute noch das Überleben sichern. Darüber hinaus zeigt Fitzek, dass es unter Umständen ein Leichtes für gewisse Gruppen wäre, die Überbevölkerung mithilfe einer schrecklichen, im Reagenzglas gezüchteten Krankheit zu verhindern. Fitzek hat genau diese Problematik aufgenommen und einen Thriller daraus gemacht, der einen von der ersten bis zur letzten Seite in seinem Bann hält. Zu keinem Zeitpunkt hebt er mahnend den Zeigefinger, aber trotzdem geht dieses Werk so unter die Haut, dass man es nicht einfach als gelesen abhaken kann.

Mein Fazit:

Fitzeks bestes Werk, das einen auch nicht losläßt, wenn man es längst gelesen und zur Seite gelegt hat.