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Donnerstag, 21. April 2011

Der Augensammler - Sebastian Fitzek


Klappentext:

Er spielt das älteste Spiel der Welt: Verstecken. Er spielt es mit deinen Kindern. Er gibt dir 45 Stunden, sie zu finden. Doch deine Suche wird ewig dauern. Erst tötet er die Mutter, dann verschleppt er das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden Zeit für die Suche. Das ist seine Methode. Nach Ablauf der Frist stirbt das Opfer in seinem Versteck. Doch damit ist das Grauen nicht vorbei: Den aufgefundenen Kinderleichen fehlt jeweils das linke Auge. Bislang hat der „Augensammler“ keine brauchbare Spur hinterlassen. Da meldet sich eine mysteriöse Zeugin: Alina Gregoriev, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, durch bloße Körperberührungen in die Vergangenheit ihrer Patienten sehen zu können. Und gestern habe sie womöglich den Augensammler behandelt …

Mein Umriss:

Alexander Zorba ein ehemaliger Polizist, der im Dienst eine Kindesentführerin erschoß und heute als Reporter arbeitet wird in eine seltsame Mordserie verwickelt. Über den Polizeifunk erfährt er vom Mord an einer Frau und der Entführer ihrer beiden Kinder und gleich hegt er den Verdacht, dass es sich um den Augensammler handelt, der Mütter ermordet, deren Kinder entführt und sie nach 45 Stunden und 7 Minuten tötet und ihr linkes Auge entfernt.
Als die beiden Kinder entführt werden, ist es einen Tag vor dem Geburtstag seines Sohnes, zu dem er auf jeden Fall erscheinen will. Allerdings wird er so in die polizeilichen Ermittlungen verstrickt, dass ihm das nicht möglich ist und so beginnt für ihn das wahre Grauen.
Im Laufe der Ermittlungen stößt er mit Hilfe der blinden Alina auf immer mehr Anhaltspunkte, die ihn jedoch immer weiter in den Mittelpunkt der polizeilichen Verfolgung rücken.

Mein Eindruck:

Wieder ein typischer Fitzek, der es wunderbar versteht, erstmal Verwirrung zu stiften und dann die Spannung häppchenweise zu steigern, sodass man als Leser nicht mehr in der Lage ist, das Buch zur Seite zu legen. Die Verwirrung gerade in diesem Buch beginnt schon wenn man es aufschlägt. Es beginnt mit der letzten Seite, worauf Fitzek mit der Bemerkung, dass das Buch am Ende beginnt hinweist.
Schnell ist man in der Handlung und fiebert mit, ebenso wie man als Leser immer wieder rätselt, wer denn nun der wahre Täter ist. Umso überraschender ist dann die Mail an Zorbas Vorgesetzte, in der sich der Mörder outet und über seine eigenen Erlebnisse und Beweggründe für seine grauenvollen Taten berichtet.

Mein Fazit:

Dieses Buch kann ich jedem Liebhaber von Psychothrillern mit bestem Gewissen empfehlen. Wer schon mal einen Fitzek gelesen hat, sollte auch diesen nicht unbeachtet im Regal stehen lassen.

Sonntag, 17. April 2011

Linksaufsteher - Matthias Sachau


352 Seiten, € 8,99 (D) Kartoniert
Ullstein Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783548283197
Erscheint am 15. April 2011

Klappentext:

Schon wieder Montag! Oliver hat richtig schlechte Laune. Als er von Lena angerempelt wird, fetzt es mächtig. Dass er sich dabei auch Hals über Kopf verliebt hat, merkt er erst, als es zu spät ist.

Aber Oliver kämpft. Und das nicht alleine: Sein Freund Anton berät ihn in Liebesdingen. Der ist erst 7 Jahre alt – und bringt Oliver auf die irrwitzigsten Ideen. Wenn er sich nur montags besser unter Kontrolle hätte ...

Mein Umriss:


Oliver Krachowitzer, genannt Krach, haßt Montage. Sie fangen für ihn mit Alpträumen in der Nacht von Sonntag auf Montag an und finden den runden Abschluß in Missgeschicken, die nur Montags passieren können. Wie die Begegnung mit einer Businessfrau, die ihm, nachdem sie ihm mit ihren Higheels auf den Fuß trat und ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Die er aber wegen dieses Missgeschickes übel beschimpfte.

Sein kleiner siebenjähriger Freund, den er einmal wöchentlich in einem Kaffee trifft, in das ihn sein Vater setzt, um eine Stunde später von seiner Mutter abgeholt zu werden, gibt ihm nun Tipps, wie er am besten an seine Traumfrau herankommt.

Es folgen Verwirrungen und Verirrungen im beruflichen, sowie auch im privaten Bereich für Krach. Seine Auftraggeber Elvin und Adrian nerven ihn mit ihren Anglizismen, sein Freund Tobi bekommt es nicht auf die Reihe, mit ihm eine vernünftige Hose zu kaufen, was ihn zu einem unfreiwilligen Video auf Youtube verhilft. Er trifft auf die in Facebook aktiven Supermarktkozeptionalisten, die ihn als Mitglied durch seinen Einkaufstick haben wollen und dann kommen auch noch Elvin und Adrian mit einem neuen Auftraggeber. Dieser verzichtet zwar auf Aglizismen, nervt jedoch durch hochtrabende Ausdrücke, sodass bei Krach alle Schranken fallen.

Nach einigen seltsamen Träumen wird ihm klar, dass der die Businessdame schon aus seiner Schulzeit kennt.


Mein Eindruck:


Matthias Sachau versteckt sich wohl hinter Krach, um sich selber nicht zeigen zu müssen. Denn solch chaotische Umstände kann man nicht erfinden. Er schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, was sein Buch sympatisch macht. Übertreibt jedoch in einigen Punkten so maßlos, dass man das Buch am liebsten an die Wand pfeffern würde. Er packte einfach zu viel www, Apple, Facebook, Youtube usw. in die Geschichte und vernachlässigt damit die Personen und ihre Rollen. Den Teil mit Rüdiger Rodeo, der selbstverliebten mit hochtrabendem Geschwafel nervende Nervensäge hätte er sich getrost sparen können.

Die Schreibweise ist für mein Gefühl nicht flüssig, sondern erinnert eher an ein hartes Stakkato, jedoch leicht verständlich.

Einzig bei dem Satz „Die Haustür kuschelt sich entspannt ins Schloß“ brach ich in schallendes Gelächter aus.


Mein Fazit:


Nette Urlaubs- Strand- Abschaltlektüre die man nicht unbedingt gelesen haben muss.

Donnerstag, 7. April 2011

Als der Tag begann - Liz Murray



480 Seiten, € 19,99 (D) Gebunden mit Schutzumschlag
Diana Verlag
ISBN: 978-3-453-29108-9
Erschienen am 28. März 2011

Klappentext:
Schon als kleines Kind weiß Liz Murray, was es heißt, am Existenzminimum zu leben. Armut und Hunger bestimmen den Alltag ihrer Familie. Doch obwohl die Hippie-Eltern drogenabhängig sind, erleben Liz und ihre Schwester Lisa nicht nur Elend und Leid.
Im Gegenteil, ihr Vater ist ein schräger, aber liebevoller Mensch, und er bringt seinen Töchtern bei, nicht auf das Geschwätz der Leute zu hören, sondern der Welt kritisch zu begegnen. Die Momente des Glücks sind dennoch kurz. Mit 15 ist Liz obdachlos, schwänzt die Schule und zieht mit anderen Kindern, die auch nirgends hingehören, durch die Straßen. Erst als ihre Mutter an Aids stirbt, wird Liz klar, dass sie so nicht enden will.
Liz Murray erzählt vom Erwachsenwerden, davon, wie sie ihre Eltern verliert und sich mühevoll ein Harvard-Stipendium erarbeitet, mit einer Sprache, die — anrührend und humorvoll zugleich — alles lebendig werden lässt.
Mein Umriss:
Liz Murray wurde nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren. Schon sehr früh weiß sie, die Tochter von drogenabhängigen Eltern, wie es ist hungrig ins Bett zu gehen zu müssen. Nicht die Aufmerksamkeit und Fürsorge durch die Eltern zu erhalten, die sie und ihre Schwester Lisa brauchen. Sie lebt mit ihrer Schwester und den Eltern in einer verwahrlosten Wohnung, lernt Selbstverständliches wie regelmäßige Körperpflege und Schulbesuche nicht kennen. Nur zum Anfang des Monats, wenn der Sozialhilfescheck für die Eltern fällig ist, werden die Kinder ein paar wenige Tage satt. Die Eltern jedoch verwenden den Großteil des Geldes um sich mit Drogen und Alkohol vollzupumpen.
Als Liz in die Schule kommt wird sie sehr schnell wegen ihrer schmutzigen und heruntergekommenen Kleidung und ihrer mangelnden Körperpflege zur Zielscheibe von Anfeindungen durch ihre Mitschüler. Da sie sich nicht wehren kann, entschließt sie sich, nicht mehr hinzugehen.
Als ihr ihre Mutter beichtet, dass sie HIV positiv ist, fühlt sich Liz ihr gegenüber verpflichtet und vernachlässigt die Schule noch mehr als zuvor. Sie nutzt die Zeit ihrer Meinung nach sinnvoller. Sie versucht Geld für die Familie zu verdienen. Dies macht sie an einer Tankstelle, wo sie den Fahrern hilft, ihre Autos zu betanken, oder im Supermarkt beim Verpacken der Ware für die Kunden. Dass ihre Mutter das Geld nur für Drogen verwendet, verdrängt Liz.
Als ihre Mutter einen anderen Mann kennenlernt und zu ihm zieht, bleibt Liz erstmal beim Vater, dem jedoch wird sie durch das Jugendamt entzogen, das sie in ein Erziehungsheim steckt, in dem sie alles lernen soll, was sie bis dahin versäumte.
Nach ihrer Entlassung aus dem Heim, die an das Versprechen gebunden war, dass sie nun regelmäßig die Schule besucht zieht sie zu ihrer Mutter und deren neuem Lebenspartner. Dieser wirft sie jedoch eines Tages raus, als er dahinter kommt, dass Liz Freunde in der Wohnung übernachten läßt.
So wird sie mit 15 obdachlos und schnorrt sich bei Freunden durch. Sie gewöhnt sich daran, jede Nacht heimlich bei Freunden oder in Treppenhäusern zu schlafen. Als sie 16 Jahre alt ist, verstirbt ihre Mutter und sie wird zur Halbwaise. Mit 17 flüchtet Liz aus einem Motel, in dem sich ihr Freund Carlos mit ihr eingemietet hatte und ist fest entschlossen, ihr Leben nun in die eigenen Hände zu nehmen und endlich was für ihre Zukunft zu tun.
Sie bewirbt sich auf diversen Schulen, um ihren Abschluß zu machen. Wird jedoch von einigen abgewiesen. Bis sie, schon nahe dran aufzugeben, in eine Schule marschiert, in der der Lehrer Perry beschäftigt ist. Diesem vertraut sie von Anfang an. Sie wird trotz vieler Zweifel aufgenommen und schafft allen Widerständen zum Trotz in zwei Jahren das Lernpensum von vier Jahren und legt einen grandiosen Abschluß mit Bestnoten und zahlreichen Auszeichnungen hin.
Dieser Abschluß beschert ihr ein Harvard-Stipendium, das von der New York Times ausgeschrieben war.
Mein Eindruck:
Liz Murray erzählt in diesem Buch sehr bewegend und gefühlvoll ihr Leben in der Bronx. Teilweise greift sie zu harten Worten, die jedoch in diese Biografie passen, denn das Leben spielte ihr hart mit. Sie schildert sehr ausführlich die Zustände in ihrem Zuhause, ebenso wie die Erlebnisse, wenn die Eltern wieder mal durch Alkohol und Drogen so zugedröhnt waren, dass sie sich nicht um ihre beiden Mädchen kümmern konnten. Auch schildert sie mit sehr viel Gefühl, wie es für sie war, als sie feststellte, dass ihren Eltern die Drogen wichtiger war als die Ernährung der Kinder. Als Leser hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass sie Dinge dazuerfunden hat. Sie beschönigt nicht und sie entschuldigt weder das Verhalten ihrer Eltern, noch ihr eigenes. Liz schaffte mit diesem Buch ein Werk zu schreiben, das eigentlich jeder lesen sollte, der meint, ihm ginge es schlecht. Sie war ganz unten und hat es trotzdem geschafft, sich freizuschwimmen.
Mein Fazit:
Dieses Buch ist das Beste, was mir in der letzten Zeit in die Hände gelangte. Es nur bestimmten Personengruppen zu empfehlen wäre vermessen, ich empfehle es einfach jedem Leser, der sich fürs Leben und was es so mit sich bringt, interessiert.

Sonntag, 3. April 2011

So unselig schön - Inge Löhnig


432 Seiten, € 8,95 (D)
Ullstein Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783548282084
Erschienen am 14. Januar 2011


Klappentext:

In einer leerstehenden Brauerei im Süden Münchens wird eine enthauptete Frauenleiche gefunden. Kommissar Dühnfort wird bald klar, dass er einen Serientäter jagt, der von Bildern besessen sein muss.
Die junge Fotografin Vicki hingegen, die die Leiche gefunden hat, ermittelt auf eigene Faust. Sie kommt dem Mörder schließlich gefährlich nahe...
Mein Umriss:
Wurde der Serienmörder in Dühnfords drittem Fall. Viktoria Senger, eine Auszubildende eines Reisebüros und leidenschaftliche Urban Explorerin, findet auf einem ihrer Streifzüge auf der Suche nach guten Motiven eine Frauenleiche. Diese ist geköpft und trägt einen rosa Strumpf.
Dühnford und sein Team nehmen die Ermittlungen auf und stoßen recht bald auf einen mehrere Jahre zurückliegenden Fall mit vielen Parallelen. Schnell wissen sie, dass sie einem Serienmörder auf der Spur sind und haben auch sehr schnell eine Reihe Verdächtiger. Allerdings ist der richtige nicht darunter, der wird, aus welchem Grund auch immer, total übersehen.
Auch Viktoria fühlt sich durch eines ihrer Fotos veranlasst, auf eigene Faust der Sache auf den Grund zu gehen und begibt sich unbewußt in Gefahr.
Mein Eindruck:
Inge Löhning ist mit diesem Buch wieder ein spannender Thriller aus der Feder geflossen. Sie schreibt flüssig, bleibt am Ball und versteht es, die Spannung beim Lesen langsam ansteigen zu lassen, bis es zum überraschenden Ende kommt. Überraschend deshalb, weil der Leser recht früh einen Verdächtigen erkennt und meint, der Fall wäre für ihn geklärt. Aber Inge Löhning spielt hier Katz und Maus mit dem Leser, sodass dieser am Ende über den wahren Täter sehr erstaunt sein wird.
Fazit:
Ich persönlich freue mich schon auf den nächsten Fall, den es für Dühnford zu lösen geben wird und kann dieses Buch jedem Krimifan wärmstens empfehlen.
Kritik:
Doch einen kleinen Wermutstropfen hat dieses Buch für mich. Als ich das Cover sah, kam es mir sehr bekannt vor. Schade, dass derjenige, der für die Covergestaltung zuständig war, anscheinend zu wenig eigene Ideen hat und auf ein bereits auf einem anderen Buch erschienenes Cover zurückgreifen muss. Für diejenigen, die es interessiert, es handelt sich um "Natürlich tot!" von Henner Kotte, erschienen im Rotbuch-Verlag

Donnerstag, 24. März 2011

Zeugin der Toten - Elisabeth Herrmann



432 Seiten, € 19,99 (D)
List
ISBN: 9783471350379
Erscheinungsdatum 02. März 2011

Klappentext:
Spuren eines quälend langsamen Todes, Blutlachen wie Seen, Hände, die verzweifelt Halt suchen. Judith Kepler hat viel gesehen. Sie wird gerufen, wenn die Spurensicherung geht. Sie macht aus Tatorten wieder bewohnbare Räume. Sie ist ein Cleaner.
In der Wohnung einer grausam ermordeten Frau begegnet sie ihrer eigenen Vergangenheit. Die Tote kannte Judiths Geheimnis. Unter mysteriösen Umständen war Judith als Kind in ein Heim gebracht worden. Herkunft unbekannt. Immer im Schatten dabei, die Staatssicherheit. Als Judith Fragen zu stellen beginnt, gerät sie in das Visier mächtiger Gegner.

Mein Umriss:
Judith Kepler, eine Cleanerin, spezialisiert auf die Reinigung von Wohnungen verstorbener oder ermordeter Menschen. Keine schöne Arbeit, aber Judith beherrscht sie wie wenige andere Cleaner. Daher steht ihr Chef wie ein Fels hinter ihr, was ihr viele Freiheiten beschert.
Als sie die Wohnung eines Mordopfers reinigt stößt sie auf eine Akte des Kinderheimes Juri Gagarin in Saßnitz, die ihren Namen trägt. Daraufhin beginnt sie in ihrer Vergangenheit, die für sie viele Lücken hat, zu forschen und stößt auf die Machenschaften der verschiedenen Geheimdienste zu Zeiten des Kalten Krieges.


Mein Eindruck:
Elisabeth Herrmann hat für diesen Roman sicher sehr weitreichende Nachforschungen betrieben und hatte wohl auch genau die richtigen Berater an ihrer Seite stehen, um so ein Werk zu verfassen. Ihre Realitätsnähe raubt einem zeitweise beim Lesen den Atem.
Die Zeitsprünge sind sehr leicht zu verarbeiten, da sie immer genau in die Situationen passen. Somit bleibt man als Leser immer mitten im Geschehen ohne den Faden zu verlieren. Die Schreibweise ist flüssig und übersichtlich und auch jemand, der die Zeiten des Kalten Krieges nicht erlebt hat, kann mit der Handlung etwas anfangen.


Fazit:
Ich hatte anhand des Klappentextes und der Leseprobe nicht mit einem Spionagethriller gerechnet und war dann doch etwas erstaunt, über die Andersartigkeit im Vergleich zu anderen Spionagethrillern, die nicht so ganz meinen Geschmack trafen. Auf jeden Fall ist dies ein Buch, das ich jedem Krimifan guten Gewissens ans Herz legen kann.

Donnerstag, 17. März 2011

Blaue Augen - Joanne Harris


352 Seiten, € 19,99 (D)
List
ISBN: 9783471350539

Erscheint am 11. März 2011


Klappentext:

Es war einmal eine Witwe, die hatte drei Söhne. Sie hießen Schwarz, Braun und Blau. Schwarz war der älteste, er war launisch und streitsüchtig. Braun war der mittlere, er war furchtsam und einfältig. Blau jedoch war der Liebling seiner Mutter. Und er war ein Mörder.

Ein Mann gesteht einen Mord, den er nicht begangen haben kann. Joanne Harris erzählt die Geschichte eines Jungen, der durch die Grausamkeit seiner Mutter zum Verbrecher wird.


Mein Umriss:

B.B. postet im Internet unter dem Synonym Blauauge in seinem Webblog boesebuben. Gleich am Anfang geht es um den Unfalltod seines Bruders, welchen Blauauge als perfekten (?) Mord bezeichnet.

Er lebt mit seiner Mutter in Malbry. Diese Mutter hütet ihren Sohn wie ihre unzähligen Prozellanhunde, übersieht aber wohl die Machenschaften ihres Lieblingssohnes, der im realen Leben im Krankenhaus arbeitet. Was er dort macht, schreibt er aber nicht.

Auch sein zweiter Bruder starb unter mysteriösen Umständen.

Seine Gabe, Gerüche und Farben mit bestimmten Worten auszudrücken machten ihn einst zum Forschungsobjekt, bis ihm Emily die Show stahl und ebenso ums Leben kam. Oder vielleicht nicht?



Mein Eindruck:



Joanne Harris hat mit Chocolat ein wirklich traumhaftes Buch verfasst. Mit blaue Augen konnte ich persönlich nicht viel anfangen. Zu verworren und an den Haaren herbeigezogen erscheinen mir die Blogeinträge von Blauauge. Irgendwie erwartete ich Spannung, aber die fehlte mir hier leider total. Auch wenn die Blogeinträge teils brutal geschrieben sind, erinnern sie mich eher an kranke Fantasien.

In irgendeiner Weise sollte sich der Leser mit dem Geschehen und den Personen identifizieren können, oder zumindest mit ihnen leben, solange er sich mit dem Buch beschäftigt. Ich stand allerdings total daneben und zeitweise las ich kopfschüttelnd weiter und fragte mich die ganze Zeit über, was das denn soll.

Will Joanne Harris einfach rüberbringen, was wir als Eltern versuchen unseren Kindern beizubringen? Und zwar, dass nicht alles im Internet der Wahrheit entspricht und sie sich doch lieber Freunde im wahren Leben suchen sollen?



Fazit:



Mit diesem Buch machte mir Joanne Harris keine Freude, aber ich hoffe, dass sie irgendwann zu „ihrem“ Stil zurückfindet.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Wir sind die Könige von Colorado - David E. Hilton


416 Seiten, € 19,90 (D) Gebunden
Arche Literatur Verlag Zürich-Hamburg
ISBN: 978-3-7160-2647-2

Erscheint am 28. Februar 2011


Klappentext:

David E. Hilton hat mit Wir sind die Könige von Colorado einen Roman geschrieben, der an William Goldings Herr der Fliegen erinnert: ein Werk, das auf schonungslose Weise Auskunft gibt über den Verlust der Unschuld, die Natur des Bösen und die Macht wahrer Freundschaft.

Während der Vater überlebt, wird Will – eigentlich noch ein Kind – zu einem zweijährigen Zwangsaufenthalt auf einer abgelegenen Erziehungsranch hoch in den Bergen von Colorado verurteilt. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen muss er dort wilde Pferde zähmen. Die Arbeit ist hart, und schon bald muss Will erfahren, dass auf dieser Ranch nicht nur der Wille von Tieren gebrochen werden soll. Doch er findet auch Freunde: Coop, Benny und Mickey, die eine verschworene Gemeinschaft bilden. Während die Jungen der Willkür der sadistischen Aufseher und eines hinterhältigen Mitgefangenen ausgesetzt sind, machen sie sich immer wieder gegenseitig Mut: »Scheiß auf die Welt da draußen. Hier drinnen sind wir Könige. Wir sind die Könige von Colorado.«

Als eines Tages Pferde ausbrechen, soll ein Trupp von Gefangenen und Wärtern die Tiere wieder einfangen. Auch Will und seine Freunde nehmen an dieser Expedition teil – bei der es für die Jungen schon bald ums nackte Überleben geht.

Mein Umriss:

50 Jahre sind vergangen. 50 Jahre seit Colorado. Jetzt erzählt uns Will Sheppard seine Geschichte. Die Geschichte einer Kindheit, die kaum zu ertragen war. Seine Mutter wurde von seinem alkoholkranken Vater vergewaltigt und geschlagen. Auch Will entkam der Gewalt seines Vaters nicht immer.

Bis sich Will seinem Vater entgegenstellt. 13 Jahre alt. Er will nur seine Mutter schützen. Mit einem Messer, das ihm sein Vater zum Geburtstag schenkte.

Sein Vater überlebte und Will wird vom Gericht in das Erziehungscamp Swope in Colorado gesteckt. Hier muss er erleben, dass es noch schlimmer geht.

Er kennt niemanden, er fühlt sich einsam, nur ein Foto seiner Mutter ist ihm geblieben. Gleich am ersten Abend wird er in eine blutige Schlägerei verwickelt. Wie überall gibt es auch auf der Swope-Ranch Gruppenbildungen und schnell ist er in die Gruppe von Benny, Coop und Mickey aufgenommen. Sie erklären ihm, dass die Schlägerei geplant war. Immer wenn ein Neuer kommt, muss der letzte Aufgenommene mit dem eine Schlägerei anzetteln.

Die Aufgabe der jugendlichen Straftäter ist es, die Farm am Laufen zu halten, die Pferde zu pflegen und neu eingefangene Wildpferde abzurichten. Arbeit, die Will eigentlich viel Spaß bereitet, wäre da nicht Silas. Ein brutaler Jugendlicher, der keine Möglichkeit auslässt, die anderen physisch und psychisch zu quälen. Schutz finden sie keinen, denn schnell stellt sich raus, dass die Aufseher um keinen Deut besser sind. Deren Quälereien gehen bis zur sexuellen Misshandlung der Jugendlichen. Auch schrecken sie nicht davor zurück, die Jungs mit Waffen zu bedrohen, sie in einen Bunker zu sperren, oder im härtesten Fall sie auch zu töten.

Als Benny durch ein Pferd im Stall lebensgefährlich verletzt wird, nehmen seine Kumpel an, dass er das nicht überleben wird, aber eines Tages ist er wieder zurück. Er ist nicht mehr der Alte, aber versucht sich wieder zu integrieren, was ihm die Wärter nicht gerade leicht machen.

Als eine Gruppe Pferde ausbricht, sollen ein paar Wärter mit ein paar Jungen die Pferde wieder einfangen und zurück bringen. Da jedoch eskaliert die ganze Situation...


Mein Eindruck:

David E. Hilton hat hier ein Buch in einer Form geschrieben, als hätte er das alles tatsächlich erlebt. Er geht so intensiv auf die einzelnen Personen ein, dass der Leser das Gefühl hat, diese persönlich zu kennen. Schnell entwickelt man Sympathien und Antipathien, den einzelnen jugendlichen Straftätern und auch Aufsichtspersonen gegenüber. Besonders hebt Hilton die Krankenschwester Miss Little hervor, die als stiller Schutzengel von den Jungs angesehen wird. Schnell ist der Leser im Geschehen und gefesselt von der Geschichte, die einem im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. Teilweise brutal, aber keineswegs unrealistisch stellt Hilton den Alltag des Erziehungscamps dar. Er stoppt aber nicht bei der Entlassung der Jugendlichen, sondern geht zusätzlich auf deren weiteres Leben ein, in dem es die einzelnen durch ihre Vergangenheit nicht gerade leicht haben.


Fazit:

Ein Buch das schockiert und teilweise zu Tränen rührt und das man nicht mehr zur Seite legen will. Ich kann es guten Gewissens jedem Leser empfehlen.

Sonntag, 13. Februar 2011

Das Schweigen der Toten - Todd Ritter


84 Seiten, € 9,99 (D)
rororo
ISBN:
978-3-499-25588-5
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2011

Klappentext:

Seit Menschengedenken hat sich in Perry Hollow kein Gewaltverbrechen ereignet. Doch an diesem Morgen wird ein Bürger des kleinen Ortes gefunden: in einem Sarg, die Lippen zugenäht, der Körper ausgeblutet. Während sich Kat Campbell, Sheriff der kleinen Stadt, an die Ermittlungen macht, geht bei der Perry Hollow Gazette der Text für eine weitere Traueranzeige ein. Todeszeit: in einer halben Stunde.

Mein Umriss:

Perry Hollow, ein verschlafener Ort in Pensylvania. Kat Campbell versieht dort ihren Dienst als Polizeichefin. Nie gab es in diesem Ort Gewaltverbrechen. Aber jetzt....

Erst wird Kat ein Fahrzeugdiebstahl gemeldet und kurz darauf eine aufgefundene Kiste am Straßenrand. Bei ihrem Eintreffen am Fundort stellt Kat fest, dass es sich um einen einfach zusammengenagelten Sarg aus Fichtenbrettern handelt und öffnet ihn. Darin findet sie einen gefesselten Mann, dessen Mund zugenäht ist. Auch sonst ist die Leiche bestialisch zugerichtet. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn Henry der Nachlassschreiber der Gazette erhielt die Todesnachricht schon bevor das Opfer ermordet wurde und Kat rechnet mit weiteren Morden. Diese lassen nicht lange auf sich warten....Auch das nächste Opfer findet sich in diesem schrecklichen Zustand und auch diesmal erhält Henry die Todesnachricht schon vor dem Todeszeitpunkt.

Die Ermittlungen beginnen, nur eine Person bleibt davon unbehelligt, bis es auch Kats Sohn James treffen soll und sich die Ereignisse überschlagen......

Mein Eindruck:

Todd Ritter schafft es, den Leser gleich am Anfang mit einem heftigen Ruck ins Geschehen zu stoßen und ihn dort bis zum Ende gefangen zu halten. Er spielt nicht mit dem Leser, sondern kommt klar auf den Punkt, was das Geschehen noch härter ankommen läßt. Die Schreibweise und Handlung ist klar strukturiert, den roten Faden zu verlieren ist unmöglich. Es ist schwer, bei diesem Buch eine Lesepause einzulegen.

Schade fand ich, dass ich gleich zu Anfang des zweiten Drittels wußte, wer der Mörder ist. Ich hoffte, dass ich Unrecht habe, aber meine Vermutung wurde bestätigt. Was die Handlung aber nicht weniger spannend macht.

Mein Fazit:

Ein wahres Feuerwerk für Thriller-Liebhaber, das ich guten Gewissens weiter empfehlen kann.

Montag, 10. Januar 2011

Blutstein - Johan Theorin


396 Seiten, € 19,95 (D) Gebunden
Piper
ISBN:
9783492054188

Erscheint am 05. Januar 2011

Klappentext:

Unwiderstehliche Atmosphäre und psychologische Hochspannung machten seine ersten Kriminalromane »Öland« und »Nebelsturm« zu internationalen Bestsellern. Jetzt legt Johan Theorin sein neues Buch vor, »Blutstein« – ein Kriminalroman über die dunklen Mythen einer Insel und ein grausiges Familiengeheimnis.

Rot wie Blut schimmert die Gesteinsschicht im Steinbruch von Stenvik. Jeder auf Öland kennt die Legenden von den Bluttaten, die diesen Stein gefärbt haben sollen. Auch Per Mörner kennt sie, und dennoch beschließt er, mit seinen Töchtern im Frühjahr nach Stenvik zu ziehen. Nach einem gescheiterten Brandanschlag auf seinen Vater Jerry sieht Per sich gezwungen, auch ihn zu sich auf die Insel zu holen. Doch Per kann nicht verhindern, dass Jerry schon kurz darauf vor seinen Augen getötet wird. Der Vater schien seinen Mörder gekannt zu haben – wer aber könnte ihn so gehasst haben, dass er das Risiko einging, ihn in aller Öffentlichkeit zu töten? Per Mörner lässt die Frage keine Ruhe. Und was er herausfindet, erschüttert ihn zutiefst …

Mein Umriss:

Blutrot schimmert eine Gesteinsschicht im Steinbruch von Stenvik, um den sich viele Mythen über Elfen und Trolle drehen.

Per Mörner ist schwer verletzt und fühlt das Benzin, mit dem er übergossen wird. Er hört das Geräusch der Streichholzschachtel, in der sein Tod lauert. Er erinnert sich an so viele Namen....
Vendela, die es immer wieder zum Elfenstein zieht und deren dort geäußerten Wünsche in Erfüllung gehen, Gerlof Davidsson, der aus dem Altersheim zurück auf die Insel zieht, um seine letzten Tage, Wochen oder Monate in seinem Haus zu verbringen, um unter anderem die Tagebücher seiner verstorbenen Frau zu lesen. Wer ist der Troll, von dem seine Frau schrieb und der ihr immer wieder Schmuck an die Haustüre legte? Pers Tochter, die mit Krebs im Krankenhaus auf dem Festland liegt. Viele andere Bewohner von Stenvik, die sich um den Steinbruch ansiedelten und deren Lebensgeschichten ineinander verwoben sind. Eben auch mit der von Per und Jerry Mörner. Vater und Sohn, die sich schon seit Jahren nichts mehr zu sagen hatten und deren Leben sich nach einem Brandanschlag auf Jerrys Haus dramatisch ändern sollte, nachdem Per ihn auf die Insel holt....

Mein Eindruck:

Leider verirrt sich Johan Theorin zu sehr in die einzelnen Familiengeschichten der Inselbewohner, so dass das eigentliche Geschehen in den Hintergrund gedrängt wird. Teilweise sehr langatmig geht er auf die Vergangenheit der Personen ein und weicht so vom Geschehen ab.
Zeitweise steigert er sich so in die Lebensgeschichten hinein, dass man als Leser Gefahr läuft den Faden zu verlieren.Dass er erst auf den letzten zwanzig Seiten seine Linie findet und den Leser nun doch fesselt, ist eher schade.

Immer wieder überlegte ich, das Buch abzubrechen und als uninteressant ins Regal zu stellen. Es gibt schlechtere Bücher, aber mit Sicherheit unzählige bessere Bücher, die mehr Freude bereiten, wenn man sie liest.

Mein Fazit:

Wenn man als Leser die im Klappentext versprochene Spannung sucht, ist man mit diesem Buch leider nicht so gut bedient.

Freitag, 19. November 2010

Leila: Ein bosnisches Mädchen - Alexandra Cavelius



Erfahrungen, Schicksale

Klappentext:

Leila,24,überlebt einen Alptraum: zwei Jahre Vergewaltigungslager in Bosnien. Jetzt erzählt sie ihre Geschichte. Ihr sensibler und aufwühlender Bericht ist das authentische Zeugnis eines Mädchens, das lernen muß, mit einem Leid zu leben, das Tausende Frauen in ihrer Heimat traumatisiert hat. Ein bewegendes Frauenschicksal, das von den dunklen und verdrängten Seiten des Krieges erzählt.

Mein Kommentar:

Mit 16 gerät Leila im Jugoslawienkrieg in Gefangenschaft und erlebt die Hölle. Vergewaltigung, Folter, Hunger und Durst im Konzentrationslager. So lange, bis die Frauen und Mädchen gebrochen sind. Dann weitere Gefangenschaft in einem sogenannten Frauenhaus, das nur weiterhin den Soldaten dazu dient, die Frauen zu vergewaltigen, Foltern und in den Wahnsinn zu treiben. Ihre Mutter ist während des ganzen Krieges auf der Suche nach Leila, aber leider ohne Erfolg. Gerettet wird Leila schlußendlich von einem Soldaten, der nach hause unterwegs ist. Aber als dieser sie mit seinen Kollegen (Polizisten) allein läßt, soll das Ganze wieder von vorne losgehen. Leila flüchtet in ein Haus, in dem eine Feldküche untergebracht ist und findet dort endlich Menschen, die es nur gut mit ihr meinen. Aber durch ihr Mißtrauen verweigert sie die erste Zeit das Sprechen. Einer der Männer verliebt sich in sie und Leila bekommt mit ihm ein Kind. Sie liebt diesen Mann aber nicht. Das stellt sie fest, als sie von ihrer Mutter endlich gefunden wird.....

Ein Buch, das dem Leser mächtig an die Nieren geht. Zart besaitete sollten dieses Buch besser nicht lesen