Seiten

Montag, 26. März 2012

Hannes - Rita Falk



208 Seiten
dtv Hardcover
ISBN: 978-3-423-28001-3
Erscheint am 01. April 2012

Klappentext:

Zwei junge Männer, Freunde seit frühester Kindheit, rasen dahin auf dem Weg ins Leben. Bis zu diesem Unfall.

Hannes liegt im Koma, und niemand glaubt an sein Erwachen – außer sein bester Freund Uli. Mit allen Kräften versucht Uli, Hannes zurück ins Leben zu holen. Täglich besucht er ihn und schreibt ihm Briefe, um ihn weiter an seinem Leben teilhaben zu lassen. Doch bald entwickelt Uli einen unbändigen Zorn: auf die seelenlose Apparatemedizin und hilflose Ärzte, auf Hannes’ Eltern, die in Selbstmitleid versinken, und auch auf Hannes, der einfach nicht aufwachen will.

Mein Umriss:

Uli und Hannes sind seit Kindesbeinen an die besten Freunde. Diese Freundschaft ist so intensiv, dass sie von den Lehrern als Nitro und Glycerin bezeichnet wurden und nie zusammen in einer Bank sitzen durften. Ihnen fiel nur Blödsinn ein.
Dann kam der verhängnisvolle Tag. Es ist Frühling und endlich können sie ihre Motorräder wieder aus der Garage holen und den ersten Ausflug machen. Uli fährt voraus und hat Hannes immer über den Rückspiegel im Blick. In einer langgezogenen Kurve sieht Uli seinen Freund plötzlich nicht mehr. Erst denkt er, dass Hannes wohl Gas weggenommen hat, weil er sich die Kurve nicht so schnell zutraute. Aber Hannes holt nicht auf…..
Also fährt Uli zurück und findet seinen Freund in seinem Blut auf der Straße liegend vor. Er versucht zu helfen und spricht mit ihm. Plötzlich kommt Hannes das Wort „Scheiße“ über die Lippen und er schließt die Augen bis auf einen kleinen Spalt. Das war das letzte, was Hannes zu seinem Freund sagte, als die Rettungsmannschaft eintrifft.
Hannes ist ins Koma gefallen. Uli ist jeden Tag bei ihm, auch wenn er nicht ansprechbar ist, erzählt er ihm von seinen Tagen ohne ihn. Dann beginnt er Briefe zu schreiben. Sein Freund soll die irgendwann, wenn er erwacht ist lesen. So kann dieser im Nachhinein an Ulis Leben teilhaben.
Mehrmals steht Hannes Leben auf der Kippe. Er schafft es immer wieder, aber leider nur das Überleben, er wacht nicht auf. Bis es kleine Anzeichen wie Lächeln, erwidern des Händedrucks und dann sogar das Öffnen der Augen gibt.
Dann passiert, was die Ärzte immer zu verhindern versuchten. Uli muss loslassen, will aber nicht

Mein Eindruck:

Mit diesem Buch zeigt Rita Falk eine Männerfreundschaft, die von Kindesbeinen an besteht und auch noch in schlimmsten Zeiten Bestand hat. Mit sehr viel Gefühl ging sie an die Thematik des Komas ran, ebenso wie an die unzerbrechliche Freundschaft von Uli und Hannes.
Die Briefe, die sie Uli auf den Leib schrieb sind zwar gefühlvoll, aber nicht mit Gefühlsduselei überladen und das Leben ausserhalb des Krankenzimmers hat auch seine komischen Seiten.
Rita Falk hat hier einen perfekten Roman verfaßt, der einerseits traurig ist, aber andererseits auch die Stärke der Freundschaft erahnen läßt.
Zu keinem Zeitpunkt wird das Buch langweilig, man ist immer aufs Neue gespannt, was Uli als nächstes Widerfährt, was er dann Hannes in den vielen Briefen mitteilt. Den roten Faden verliert die Autorin zu keinem Zeitpunkt und sie driftet auch nicht ins Unrealistische ab.
Da ich die Vorgängerbücher von Rita Falk kenne, war ich erstaunt, dass dieses Buch so ganz anders ist. Ganz anders im positiven Sinne. Ich hab es an einem Tag verschlungen.

Mein Fazit:

Ein Buch, dass einem Freundschaft so definiert, wie sie sein sollte. Daher kann ich es jederzeit und jedem Leser vorbehaltlos zu empfehlen.

Samstag, 24. März 2012

Nur noch einmal - Maren D.



320 Seiten
rororo
Erschienen 1. August 2008
ISBN-13: 978-3499623776

Klappentext:

Eine dramatische Lebensgeschichte! Maren D. wächst wohlbehütet auf. Doch als ihre Mutter plötzlich und unerwartet stirbt, gerät Maren auf die schiefe Bahn und fängt an, Rauschgift zu schmuggeln. Bei einem Auftrag in Venezuela lernt sie schließlich Pedro kennen und verliebt sich in ihn. Die beiden werden ein Paar, schmieden Zukunftspläne, wollen sich ein bürgerliches Leben aufbauen und ein eigenes Restaurant eröffnen. Ein letzter Flug würde ihnen die Erfüllung dieses Traums ermöglichen, nur dieses eine Mal noch will Maren fliegen. Doch irgendwas geht schief, sie wird verhaftet und zu vier Jahren verurteilt, die sie in verschiedenen Gefängnissen in Sao Paulo verbringen muss. Überfüllte Zellen, brutale Mitgefangene und das sadistische Verhalten der Wärter gehören fortan zur Tagesordnung. Alles wird noch schlimmer, als Maren eines Tages eine verhängnisvolle Entdeckung macht...

Mein Umriss:

Maren sieht nach dem Verlust der Mutter, dem Rauswurf durch den Vater und ihrer abgebrochenen Friseurlehre ihr Ziel darin, möglichst schnell, möglichst leicht, möglichst viel Geld zu verdienen. Sie nimmt einen Job als Stripteasetänzerin an und lernt Leute kennen, durch deren Einfluss sie das große Geld sieht.
Sie lässt sich als Drogenkurier anheuern. Die Aufträge kommen und sie wird nie erwischt. Das Geld das sie dabei verdient rinnt ihr wie Wasser durch die Finger.
Dann lernt sie auf der Isla Margarita in Venezuela Pedro kennen und lieben. Sie will raus aus dem Geschäft, von dem Pedro nichts ahnt. Nur noch einen Auftrag will sie annehmen, um sich mit Pedro ihren Traum von einem eigenen Restaurant und einer glücklichen Familie erfüllen zu können.
Doch es kommt anders als bei den letzten Aufträgen. Maren wird am Flughafen mit 2,5 Kilo Kokain, das in ihre Unterwäsche eingenäht war, erwischt.
Sie wird zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Diese Zeit verbringt sie in verschiedenen Haftanstalten unter schlimmsten Bedingungen. Bald stellt sie fest, dass sie von Pedro schwanger ist. Doch der will nun, nachdem sie ihm schrieb, warum sie im Gefängnis sitzt, nichts mehr von ihr wissen. Vier Monate nach der Geburt ihres Sohnes Xavier wird ihr dieser weggenommen und in ein Heim gegeben. Verzweifelt nimmt sie im Gefängnis Arbeit an, denn damit kann sie ihre Haftzeit verkürzen, um möglichst schnell wieder mit ihrem Sohn zusammen zu sein.
Vier Jahre unter menschenunwürdigen Verhältnissen zu leben bringt Maren an ihre Grenzen, aber sie denkt nur an ihren Sohn….

Mein Eindruck:

Maren D. hat ihre Geschichte über ihr Verbrechen und ihre Haft in verschiedenen brasilianischen Gefängnissen zum Anlass genommen, dieses Buch zu schreiben. Um vielleicht andere vor solchen Dummheiten zu schützen und aufzuzeigen, wie in Brasilien mit Menschen umgegangen wird, die das Gesetz gebrochen haben.
Sie erzählt genauestens, wie sie ihren letzten Flug von falschen Freundin organisiert bekam, die die Polizei bestachen und die junge Frau in Sicherheit wogen.
Nur Schutz bekam sie nicht von ihnen als sie am Flughafen gestellt wird und ins Gefängnis kommt. Sie erzählt über Freunde, die sie verlor, über Freunde die sie gewann und über die miserablen Zuständen in den Haftanstalten, in denen Gewalt regiert. Angestachelt durch schlechteste Hygienebedingungen, ekelhaftes Essen usw. kommt es immer wieder zu Rebellionen, gegen die die Wärter nicht ankamen und büßen müssen das dann auch die Frauen, die sich nicht daran beteiligten.
Ein Buch, das einem sehr nahe geht, zumal man ständig im Hinterkopf hat, dass das alles dieser Frau und vielen anderen passiert ist und auch noch immer passieren wird.

Mein Fazit:

Lesen, sacken lassen, nachdenken und das Buch vielleicht der eigenen Tochter auf den Nachttisch legen.

Montag, 19. März 2012

Sei schlau, stell dich dumm - Daniela Katzenberger



207 Seiten
Bastei Lübbe
ISBN 978-3-404-60669-6
Erschienen November 2011

Klappentext:

Isch bin wie isch bin – ganz normal bekloppt!

Der SPIEGEL spricht von der blondesten Medienkarriere des Jahres, für die BUNTE ist sie „Deutschlands neues Phänomen“. Wer ist diese Frau, die rundum für Aufsehen sorgt? Wasserstoffblondierte Kunsthaarmähne, cappuccinofarbene Studiobräune und Doppel-D-Silikon-busen. An „der Katze“ scheint wenig echt zu sein, trotzdem kommt sie bestechend authentisch und ehrlich rüber. Ihre Sprüche sind legendär und wenn sie redet, trägt sie das Herz auf der Zunge. Offenherzig und unbeschwert wandelt die Katze durchs Leben – kaum zu glauben, dass in ihrem Leben schon viel Mist passiert ist. Davon erzählt sie hier zum ersten Mal. Und davon, wie sie es trotzdem geschafft hat, die zu werden, die sie ist.

Mein Umriss:

Daniela Katzenbergers Leben. Offen und ehrlich erzählt sie ihr bisheriges Leben. Ihre Kindheit zwischen Schule und Mutters Kneipe, die nie einfach war. Hatte doch die Mutter so viel Pech mit den Männern und war die meiste Zeit mehr oder weniger alleinerziehend. Nein, so kann man das nicht nennen. Miterzogen wurde Dani von den Kneipengästen. Darunter ein Richter, mit dem sie Karten spielte. Ihre Mutter hatte teilweise drei Jobs um Daniela und ihre Geschwister durchzubringen.
Recht früh wusste Daniela, wie sie sich ihre Zukunft vorstellte. Der erste Schritt dazu war ihre eigene Wohnung im selben Haus, in dem auch ihre Mutter lebte und die Kneipe betrieb. Die Wohnung vollgehängt mit Spiegeln (sie sieht sich einfach gerne, ohne eingebildet zu sein), vollgestopft mit Lip Gloss und allem anderen nötigen und unnötigen Kosmetikkram. Ohne Türen, aber ganz viel pink.
Misswahlen, Fotoshootings und diverse andere Veranstaltungen wurden von ihr auf dem Weg nach oben mit mehr oder weniger Erfolg besucht. Sogar nach Hollywood flog sie, um sich mit Hugh Hefner zu treffen und sich für Fotos im Playboy zu bewerben. Gut, dass sie nicht genommen wurde. Ist Daniela doch total verklemmt, wie sie selber zugibt. Sich sexy zu kleiden und sexy zu sein sind für sie zwei verschiedene Schuhe.
Sie kann auch zickig sein, scheut sich aber nicht, sich dafür zu entschuldigen. Sie ist geizig bis zum gehtnichtmehr, wie sie selber zugibt. Das liegt wohl an ihrer Kindheit, in der es immer an Geld mangelte. Da ging sie sogar soweit, einen Schlüpfer ihrer Mutter für 20 Mark an einen Kumpel zu verkaufen, der ihn stolz an sein Mofa hängte. Heute ist sie froh, dass ihre Mutter das nie bemerkte.
Sie bezeichnet ihr Team das sich um sie kümmert, liebevoll als ihre Katzenpfleger. Auch die Katzenpfleger kamen in diesem Buch zu Wort und plaudern aus dem Nähkästchen der Katze.
So passiert es, dass sie hungrig einkaufen geht und satt den Laden verlässt. Alles was man probiert, muss man nicht zahlen, ist ihr Motto. Sie liebt Verkostungen in Supermärkten. Somit wird sie von ihrem Team liebevoll als charmanter Geizhals und bekennendes Abstauberschwein bezeichnet, das in Interviews eine treffende Ausdrucksweise und Bauernschläue beweist und überaus begeisterungsfähig ist.

Mein Eindruck:

Ein flüssig und in hohem Tempo verfasster Lebenslauf einer lebensbejahenden jungen Frau, die sich weder durch negative Erlebnisse früherer Jahre, noch durch Stolpersteine in der Gegenwart von ihrem Weg abbringen lässt. Erst wollte ich dieses Buch gar nicht lesen, zumal es mir wie sicherlich vielen ging. Man zappt durch die Kanäle und gefühlt überall sieht und hört man Daniela Katzenberger. Allerdings muss ich gestehen, dass ich sie relativ schnell in die Schublade für dumme Blondchen gesteckt hatte und keinen Gedanken mehr an sie verschwendete. Nach diesem Buch muss ich ehrlich gestehen, dass ich sie für ihre Schlagfertigkeit, Hartnäckigkeit und ihre lebensbejahende Einstellung bewundere. Denn sie hatte es mit dem Stempel den ihr wohl viele aufdrückten sicherlich nicht leicht. Sie verbog sich nicht der Karriere wegen, nein, die Karriere mußte sich ihrer Lebenseinstellung anpassen und das funktionierte in ihrem Fall wunderbar. Hinter der Fassade würde man niemals einen schüchternen, gutbürgerlich sparsamen Menschen wie Daniela Katzenberger vermuten.
Ich kann ihr dafür nur das von ihr am liebsten gehörte Kompliment machen: Daniela, Du bist ganz anders als Du aussiehst.

Mein Fazit:

Egal ob man sie liebt, oder ob man sie haßt, als Leser empfindet man dieses Buch wie ein Überraschungsei. Jeder wird sein eigenes Fazit aus diesem Buch ziehen, das ich einfach jedem uneingeschränkt empfehlen kann.

Donnerstag, 15. März 2012

Fünf - Ursula Poznanski



384 Seiten
Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-5031-3
Erschienen am 16. Februar 2012

Klappentext:

Eine Frau liegt tot auf einer Kuhweide. Ermordet. Auf ihren Fußsohlen: eintätowierte Koordinaten. An der bezeichneten Stelle wartet ein grausiger Fund: eine Hand, in Plastikfolie eingeschweißt, und ein Rätsel, dessen Lösung zu einer Box mit einem weiteren abgetrennten Körperteil führt.

In einer besonders perfiden Form des Geocachings, der modernen Schnitzeljagd per GPS, jagt ein Mörder das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger von einem Leichenteil zum nächsten. Jeder Zeuge, den sie vernehmen, wird kurz darauf getötet, und die Morde geschehen immer schneller. Den Ermittlern läuft die Zeit davon, sie ahnen, dass erst die letzte Station ihrer rätselreise das entscheidende Puzzleteil zutage fördern wird

Mein Umriss:

Eine weibliche Leiche wird am Fuss eines Felsens auf einer Kuhweide gefunden. Als die Polizisten Bea und Florin die Tote Frau näher in Augenschein nehmen, entdecken sie eintätowierte GPS-Koordinaten auf deren Fusssohlen.
Schnell klärt sich, dass das Verbrechen etwas mit der GPS-Schnitzeljagd Geocaching zu tun hat. Bea und Florin klemmen sich hinter die Klärung des Verbrechens und werden vom Mörder der Frau in die Schnitzeljagd anhand gestellter Rätsel eingebunden.
Nach Lösung des ersten Rätsels stoßen sie immer wieder auf abgetrennte Körperteile. Doch wer sind die Opfer? Wer ist der Täter? Warum bekommt Bea immer wieder Rätsel gestellt, nach deren Lösung sie immer einen Schritt hinter dem Täter hinterher hinkt? Im Laufe der Zeit werden es immer mehr Opfer, die irgendwie miteinander in Verbindung stehen, nur welche Gemeinsamkeit verbindet sie?

Mein Eindruck:

Zu Anfang schließt man darauf, dass es ein extrem spannendes Buch ist und freut sich auf die nächsten Seiten und Kapitel. Leider ist nach dem Fund der ersten Leiche erstmal die Spannung im Keller. Die Autorin schiebt hier das Privatleben von Bea und deren Probleme mit deren Exmann in den Vordergrund. Ebenso schwenkt sie immer wieder in Beas Vergangenheit, sodass man schnell den Eindruck bekommt, dass diese was mit den Morden in der Geocacher-Szene zu tun hat.
Sie spielt mit einem Haupthandlungsstrang sowie mit mehreren Nebensträngen und verknüpft die zum Ende hin perfekt miteinander, sodass es zu einem überraschenden Ende kommt.
Ursula Poznanski bedient sich einer schlichten, leicht verständlichen und nachvollziehbaren Schreibweise. Leider scheint ihr die Handlung an sich zweitrangig zu sein, da sie meiner Meinung nach zu sehr auf das Familienleben der beiden Hauptpersonen konzentriert ist.
Erst zum Ende hin legt sie ihren Focus auf die Verbrechen und deren Aufklärung.
Sehr gut hat sie das Thema Geocaching eingebunden und auch die Erklärungen dazu, sodass der Leser im Vorfeld keine Ahnung davon haben muss und trotzdem alles versteht.

Mein Fazit:

Noch nicht rundum gelungen, aber auf jeden Fall lesenswert.

Mittwoch, 7. März 2012

Der Mord des Jahrhunderts - Paul Collins



448 Seiten
Kriminalroman
Irisiana Verlag
ISBN: 978-3-424-15122-0
Erscheint am 05. März 2012

Klappentext:

Im Sommer 1897 hält der Fall mit der kopflosen Leiche ganz New York in Atem. Die Polizei tappt zunächst im Dunkeln. So sind es Journalisten, die einer Spur ins deutsche Immigrantenmilieu des brodelnden Manhattan folgen und mit ihren Schlagzeilen einen wahren Zeitungskrieg entfachen. Handelt es sich bei der kopflosen Leiche wirklich um William Guldensuppe? Bis zum Schluss hält der historische Fall mit seinen überraschenden Wendungen die damalige Bevölkerung wie den heutigen Leser in Atem.
Eine spannende Geschichtsstunde über einen der spektakulärsten Mordfälle, gewürzt mit kuriosen Details und interessanten Porträts der Zeitungsmogule Joseph Pulitzer und William Randolph Hearst.

Mein Umriss:

Ein Mord in New York – Das Opfer erstmal nicht zu identifizieren, da zerstückelt – Zur genauen Identifikation muss der Kopf vorhanden sein – Dieser ist jedoch unauffindbar….
Wäre der Mord in der heutigen Zeit geschehen, wäre die Identifizierung des Opfers aufgrund moderner DNA-Analysen, Fingerabdrücke usw. kein Problem.
Der Mord geschah jedoch 1897, in einer Zeit, in der solche Methoden noch Zukunftsmusik waren.
Die Leichenteile werden nach und nach von unterschiedlichen Personen aus dem Hudson River gefischt und der Polizei übergeben. Da diese erst vor einem Rätsel steht, schaltet sich die Presse und da an vorderster Front die Verlagshäuser Pulitzer und Hearst ein. Diese schicken ihre Reporter an die Front der Ermittlungen. Nicht zuletzt um die ersten mit der fettesten Schlagzeile in der nächsten Ausgabe zu sein und dadurch die höchste Auflage zu erreichen.
Schnell werden zwei Verdächtige festgenommen, die jedoch nicht geständig sind, sondern sich gegenseitig beschuldigen. Das folgende Gerichtsverfahren beruht auf Indizien, in dem sich herauszustellen scheint, dass die Hebamme die die Geliebte des Opfers war, sich in den Mordverdächtigen verliebte, welcher den Mord auch mit ihrer Hilfe begangen haben soll. Somit wird der Geliebte wegen Mordes zum Tode verurteilt. Die Hebamme wird wegen Mithilfe zu 15 Jahren Haft verurteilt.
Durch die große Anteilnahme der Presse, die auch zur Hinrichtung zugelassen war, wurde auch bekannt, dass der elektrische Stuhl nicht so sicher tötet, wie dem Volk vorgegaukelt. Somit starb der Mörder von Guldensuppe ebenso wie dieser. Er wurde bei lebendigem Leib gevierteilt.
Wobei sich im Laufe des Geschehens Zweifel regen, ob Thorn wirklich der Mörder war, oder ob er nicht doch durch die Hebamme Nack verübt wurde….

Mein Eindruck:

In dem gesamten Geschehen steht der Mord ebenso wie der Konkurrenzkampf der Zeitungsverlage im Hauptaugenmerk des Geschehens, aus dem am Ende höchstens zwei Gewinner hervorgehen konnten, die den hart umkämpften Markt unter sich aufteilten.
Eine hervorragende Recherche durch Paul Collins bescherte dem Leser ein Buch, das einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und nachhaltigen Eindruck hinterlässt.
Nachhaltigen Eindruck in dem Sinne, indem man überlegt, wie schwer es zur Zeit des ausklingenden 19. Jahrhunderts war, Verbrechen mit einfachsten Mitteln aufzuklären. Hier hebt Collins hervor, dass die Polizei mitunter auch auf die Presseermittlungen angewiesen war, um kleine Fortschritte zu machen. Er stellt heraus, dass im Vergleich zu heute eine Arbeitsweise bei der Polizei üblich war, die aus der heutigen Sicht die Verbrechensaufklärung eigentlich unmöglich macht. Wie jedoch hier an zitierten historischen Dokumenten ersichtlich ist, war dies sehr wohl möglich, wenn auch um einiges schwieriger.
Paul Collins bedient sich einer relativ einfachen und daher leicht verständlichen Schreibweise, er verliert sich nicht in irgendwelchem Fachchinesisch, sondern schreibt Klartext. Obwohl er hier über einen tatsächlich stattgefundenen Kriminalfall schrieb, schaffte er es doch, das ganze Geschehen wie einen spannenden, fiktiven Roman erscheinen zu lassen. Dass es sich nicht um eine erfundene Geschichte handelt, beweist er am Ende durch die Auflistung seiner seriösen Informationsquellen.

Mein Fazit:

Wer einen reisserischen Thriller erwartet, sollte das Buch besser im Laden stehen lassen. Wer jedoch Einblick in einen wahren Kriminalfall, die Pannen bei den Ermittlungen, die Zusammenarbeit der Presse mit der Polizei im ausklingenden 19. Jahrhundert erhalten und letztlich die anfangs unmögliche Lösung des Falles erfahren will, ist mit diesem Buch bestens bedient, denn Spannung kommt auch hier nicht zu kurz.

Dienstag, 28. Februar 2012

Urlaub mit Papa - Dora Heldt



320 Seiten
Deutscher Taschenbuch Verlag
Erschienen am 1. Juni 2009
ISBN 978-3423211437

Klappentext:

Es sollte ein toller Urlaub werden: Christine (45) will nach Norderney, um einer Freundin bei der Renovierung ihrer Kneipe zu helfen. Doch dann wird sie von ihrer Mutter dazu verdonnert, ihren Vater mitzunehmen. Kaum sind sie dort, übernimmt Heinz (73) auch sofort das Kommando auf der Baustelle. Es kommt für Christine aber noch schlimmer, als Papa erfährt, dass auf der Insel nach einem Heiratsschwindler gefahndet wird. Für Heinz ist klar: Das muss Johann sein, der mysteriöse Pensionsgast, der Christines Herz Kapriolen schlagen lässt. Mithilfe von Papas neuen Freunden – 72, 75, 63 Jahre alt – soll Johann zur Strecke gebracht werden...

Mein Umriss:

Christine möchte mit ihrer Freundin Dorothee im Urlaub ihrer gemeinsamen Freundin Marleen bei deren Renovierungsarbeiten in der von ihrer Tante übernommenen Pension helfen. Sie freut sich auf 14 arbeitsreiche aber trotzdem entspannende Tage auf Norderney. Bis ihre Mutter sich meldet. Diese soll ein neues Kniegelenk bekommen und der OP-Termin wurde überraschend vorverlegt. Nun soll sich Christine um ihren Vater kümmern, der natürlich mit auf die Insel soll. Christine schwant böses und ihre Ahnungen sollen sich schon bald erfüllen. Ist die Anreise schon eine mittlere Katastrophe, so ist der Aufenthalt eine mächtige Steigerung.
Vater scheint immer wieder zu vergessen, dass Christine bereits 45 ist, er tut sich mit seinen Erfahrungen bei Umbauarbeiten und Renovierungen hervor, und das, obwohl er doch eine schlimme Hüfte hat, unter einer Farbschwäche leidet und ansonsten auch nicht vor den Zipperlein eines 73jähringen verschont blieb.
Als sich Christine dann noch verliebt, versucht ihr Vater mit seinen Kumpels Kalli, Onno, Carsten und nicht zuletzt Gisbert von Meyer, seines Zeichens Inseljournalist den „Heiratsschwindler“ zur Strecke zu bringen.

Mein Eindruck:

Dora Heldt brachte auf köstlichste Art zu Papier, was jedem mit seinem Vater passieren könnte, der mit so einer Freude durchs Leben marschiert. Schlagfertigkeit und große nicht zu freche Klappe scheinen ihr eigen zu sein. Sie packt die Erlebnisse von Christine in einen munteren Roman, bei dem man auf keiner Seite vor Überraschungen sicher ist.
Mit ganz viel Humor nimmt sie die Insulaner und ihre ganz eigene Lebenseinstellung auf die Schippe. Es wäre ein Fehler, wenn man den Lesern empfehlen würde, dieses Buch in der eigenen Wohnung hinter verschlossenen Türen und Fenstern zu lesen, aber das Risiko komischen Blicken ausgesetzt zu sein, wenn man laut prustend liest, muss jeder für sich selber einschätzen.

Mein Fazit:

Locker, flockig, frei von der Leber weg geschrieben. Entspannungslektüre pur, wenn man einfach nur abschalten will.

Dienstag, 21. Februar 2012

Die Judasverschwörung - Blake Adam



576 Seiten
Thriller
Ullstein Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783548283593
Erschienen am 13. Januar 2012

Klappentext:

In Arizona stürzt ein Flugzeug ab, dessen Insassen nicht überlebt haben können. Dennoch erhalten die Angehörigen Nachrichten von den Toten. In London führt eine Spur in einem rätselhaften Todesfall zu einem Text, der aus dem Johannes-Evangelium stammt.

Er verweist auf eine mysteriöse Sekte, die ihre Existenz seit Jahrtausenden verheimlicht. Die clevere englische Ermittlerin Heather Kennedy und der verzweifelte Witwer Leo Tillman führen die Spuren zusammen und kommen einem lebensgefährlichen Komplott auf die Spur.

Mein Umriss:

Am Anfang steht ein Flugzeugabsturz in Arizona, bei dem alle Passagiere ums Leben kommen und die Polizei die Ermittlungen aufnimmt.
Dann ein Schwenk zu den Ermittlungsarbeiten im Falle eines ermordeten Universitätsprofessors, der sich mit antiken Schriftrollen beschäftigt.
Ein weiterer Schwenk nach Russland, wo Tillman einen Mann erschießt.
Die Toten aus dem Flugzeug geben Zeichen. Einbildung oder Wahrheit?
Der Leser erfährt, dass Tillman vor Jahren seine Familie verlor. Er kam von der Arbeit nach hause und seine geliebte Frau und die Kinder waren spurlos verschwunden. Einzig eine Nachricht mit dem Text „Such und nicht“ ist ihm geblieben. Er wurde zum einsamen Jäger, ausgebildet in der Armee.

Mein Eindruck:

Die Leseprobe fand ich erstmal nicht so berauschend, aber der Klappentext überzeugte mich davon, dass ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Leider war es nach 130 Seiten mit meiner Begeisterung und Spannung schon wieder vorbei. Zu sehr dümpelt das Geschehen dahin und zieht sich wie Kaugummi, der Autor verliert sich heillos in Nebensächlichkeiten, sodass das Ganze Paket verwirrend wirkt und ich einfach nicht ins Geschehen fand. Zu wenig haben die drei Handlungsstränge miteinander zu tun. Ich hatte von einem zum nächsten Kapitel das Gefühl, in verschiedenen Büchern gelandet zu sein. Mag sein, dass sich später alles irgendwie zusammenfügt und aufklärt, aber noch mal fast 500 Seiten zu lesen und mich dem Risiko auszusetzen, dass das nichts mehr wird, das war mir dann doch too much.

Mein Fazit:

Ein Buch wie ein Kinotrailer zu einem eher mittelmäßigen Film. Im Trailer (hier Klappentext) wird einem mit tollen Szenen der Mund wässrig gemacht und das einzige Fazit daraus ist, aus dem Film kommt man gut ausgeschlafen raus, als Buch dient es als rezeptfreies Schlafmittel. Es ist nicht der Mühe wert, es zu Ende zu lesen.

Montag, 20. Februar 2012

Vater, Mutter, Tod - Langer Siegfried



336 Seiten
List Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783548610511
Erschienen am 13. Mai 2011

Klappentext:

Ein Vater, der große Schuld auf sich lädt.
Eine Mutter, die alles tun würde, um ihren Sohn zurückzubekommen.
Ein Junge, der tot in einer Berliner Wohnung liegt.
Eine Frau, deren Erinnerungen sie betrügen.

Kommissar Manthey sucht nach den Zusammenhängen. Er will ein Kind retten – um jeden Preis.
Und stößt auf einen Abgrund aus Verzweiflung und Wahn.

Mein Umriss:

Eine Mutter, lebend in schwierigen sozialen Verhältnissen, kommt in den Augen ihres Mannes zu spät nach hause. Dies führt zu einem Streit, in dem sie der Mann körperlich angreifen will. Sie hält ein Brotmesser in der Hand. Als sich der siebenjährige Robin dazwischen stellen will, schubst ihn die Mutter zur Seite und trifft ihn mit dem Messer unglücklich am Hals, sodass er vor seinen Eltern auf dem Küchenboden verblutet.

Eine weitere Familie. Glücklich, im selben Alter, Sohn im selben Alter. Er Anwalt, sie erfolgreiche Architektin. Kurz, auf der Sonnenseite des Lebens. Wenn die Frau nur nicht ihre schlimmen Kopfschmerzen und dazu Erinnerungslücken hätte. Plötzlich erinnert sie sich nicht mehr an die richtige Etage, in der sich ihr Büro befindet, sie erzählt ihrem Mann von einem Treffen mit ihrer Mutter, die jedoch schon zwei Jahre zuvor verstorben ist.

Mein Eindruck:

Ein spannungsgeladener Einstieg, der neugierig macht und dann in eine nicht weniger spannende Geschichte übergeht, die in zwei Handlungsstränge aufgeteilt ist. Diese beiden Handlungsstränge hängen so dicht aneinander, dass zwar das Ende relativ leicht vorhersehbar ist, aber den Leser trotzdem im Geschehen festhält. Zumal er es zwar ahnt, aber unter Umständen auf eine andere Form des Endes spekuliert.
Siegfried Langer verfügt über eine flüssige, angenehme Schreibweise. Er hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf und bleibt von der ersten bis zur letzten Seite permanent am Ball. Von diesem Schriftsteller kann man getrost auf mehr hoffen.

Mein Fazit:

Ein sehr empfehlenswertes Erstlingswerk eines Schriftstellers, der bestimmt bald in er oberen Garde der Psychothriller-Autoren mitmischen wird.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Schweinskopf al dente - Rita Falk



240 Seiten
Deutscher Taschenbuch Verlag
Erschienen am 17. November 2011
ISBN 978-3423248921

Klappentext:

Ein Psychopath geht um in Niederkaltenkirchen.
Ekelhafte Sache, das mit dem blutigen Schweinskopf im Bett vom Richter Moratschek. Doch dieser Schweinskopf führt Franz Eberhofer direkt auf die Spur eines gefährlichen Psychopathen. Hannibal Lecter - ein Dreck gegen Dr. Küstner, der in Niederkaltenkirchen sein Unwesen treibt...

Mein Umriss:

Wieder ein Fall für Franz Eberhofer, der nun zu Beginn seines Falles vom Hauptmeister zum Kommissar befördert wurde und dessen grüne Polizeiuniform nun ein silberner Stern ziert. Klar, dass er nun den Leopold, die Schleimsau auch gleich befördert. Und zwar zum Arschloch.
Liebevoll kümmert er sich um die Sushi, die Tochter der Schleimsau und dessen Frau Panida. Zu seiner Freude beherrscht die Kleine bevor sie Papa sagt, das Ogiwans, was Onkel Franz heißt.
Plötzlich wird Niederkaltenkirchen von einem noch nie dagewesenen Kriminalfall überschattet. Richter Moratschek muss Dr. Küstner wegen Mordes zu fünfzehn Jahren Haft verurteilen. Dieser flieht aus dem Gefängnis und will die bei der Urteilsverkündung angekündigte Rache am Richter vollziehen.
Er kratzt ihm eine Drohung ins Eis seiner angefrorenen Windschutzscheibe. Bis jedoch Eberhofers Kollegen eintreffen, ist das Eis getaut und das Corpus delicti verschwunden. Dann aber findet der Richter einen Schweinskopf in seinem Bett und fühlt sich seines Lebens nicht mehr sicher.
Er sucht Schutz bei Eberhofers Vater und bekommt ihn. Er zieht auf dem Hof mit ein und fortan kann Franz nur noch mit Ohrstöpseln schlafen, weil der Richter den gleichen Musikgeschmack wie sein Vater hat und somit die Beatles und Bob Marley Nacht für Nacht über den Hof schallen. Auch dem Marihuana ist der Richter nicht abgeneigt, das ja von Eberhofers Vater in Eigenanbau gezüchtet wird.
Immer bedrohlicher wird die Situation für den Richter und als Franz beschließt, seine Verflossene Susi aus Italien zurückzuholen, wo sie dem Hörensagen nach total unglücklich ist, wird gleich eine Flucht für den Richter und eine Urlaubsfahrt für Franz uns seine Freunde draus.

Mein Eindruck:

Schlagfertig, frech und urbayrisch erzählt Rita Falk über den Alltag des Niederkaltenkirchener Polizisten, seiner Familie und seinen Freunden und wie er seine kleinen und größeren Katastrophen löst. Den Niederbayern perfekt aufs Maul geschaut, brachte sie hier wieder ein Buch heraus, wie es wohl kein zweiter Autor schafft.
Für norddeutsche Leser mag die Schreibweise etwas gewöhnungsbedüftig sein, denn Rita Falk hat den bayrischen Dialekt auch hier wieder mit der dem Bayrischen eigenen Grammatik ins Hochdeutsche übernommen. Damit ist der Leser von Anfang an zu einem Dauergrinsen verurteilt und er sei gewarnt, dieses Buch irgendwo an der Öffentlichkeit zu lesen. Es könnte ungeahnte Reaktionen des Umfeldes hervorrufen, wenn er unvermittelt in schallendes Gelächter ausbricht. Erheiternde Lektüre für Leser, die die bärbeißige Art der Bayern lieben.

Mein Fazit:

Ein humorvoller Regionalkrimi für Leser die die Lösung von Kriminalfällen mit Humor und großer Klappe lieben.

Freitag, 10. Februar 2012

Gudjon Olafssons Zeitreise als Laborratte - Hermann Stefánsson, Richard Kölbl



Litteraturverlag Roland Hoffmann
2011
248 Seiten
ISBN 978-3-940331-07-6

Klappentext:

Der Schriftsteller Gudjon Olafsson erwacht im Krankenhaus, ohne Sprache und ohne Erinnerung daran, wie und warum er dorthin gekommen ist. Sein Vater hilft ihm, den Weg zurück in die Wirklichkeit zu finden, doch um welche Wirklichkeit geht es eigentlich?
Ganz allmählich gewinnt Gudjon seine Sprache wieder und findet heraus, dass Helena, die ihm sein Vater als seine Lebensgefährtin vorstellt, und er in Island von einem Forscher am europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz einem durch Medikamente unterstützten Experiment unterzogen worden sind, bei dem es um Zeitreisen in die Vergangenheit ging.

Mein Umriss:

Rätsel vergangener Jahrhunderte – 200 Jahre Entwicklungsarbeit und das Ergebnis: CERN – der Teilchenbeschleuniger.
Dieses wohl größte Labor der Welt verleitet Wissenschaftler, bestehende Theorien zu testen, Beweise zu finden und neu zu definieren.
Anhand der Kenntnisse von Zeit und Raum, an denen auch Einsteins Relativitätstheorie nicht ganz unbeteiligt ist, liefert Hermann Stefansson eine mitreissende und zugleich erschreckende Vision, zu was die Wissenschaft vielleicht in absehbarer Zeit in der Lage sein wird. Nach Einsteins Theorie sollten Zeitreisen in die Zukunft nicht unmöglich sein. Hier jedoch werden Menschen wie Gudjon und Helena als Hauptprotagonisten auf Zeitreisen in die Vergangenheit geschickt.
Gudjon Olafsson erwacht aus dem Koma. Warum fiel er ins Koma? Warum leidet er an einer massiven Amnesie? Warum ist in seinem Kopf so vieles weiß wie ein unbeschriebenes Blatt?
Langsam in kleinen Schritten unter Mithilfe seines Vaters findet er zurück ins Leben. Während der Rehabilitationsphase begegnet er „dem Hinzugekommenen“, wie er seinen Lebensretter nennt.
Hier erscheint nun auch Helena, Gudjons frühere Lebensgefährtin. Ab dieser Stelle führen zwei scheinbar unabhängige Handlungsstränge durchs Geschehen.

Mein Eindruck:

Anfangs für den Leser sehr verworren geschrieben, als würde man selber an Amnesie leiden. Allerdings wird jeder der das Buch nicht nach zehn Seiten zur Seite legt, mit einer rasanten Fiktion um Zeitreisen im 21. Jahrhundert belohnt.
Wobei sich herausstellt, dass diese Zeitreisen keineswegs für Gudjon und Helena freiwillig stattfinden, sondern dem „kranken Hirn“ eines unersättlichen Wissenschaftlers entstammen, der im Laufe seiner Forschungen das bewusstseinserweiternde Medikament Deiktin entwickelte und dieses menschlichen „Laborratten“, eben Gudjon, Helena und weiteren unfreiwilligen Probanden injiziert.
Die Schreibweise ist nicht ganz einfach, was wohl auch am Thema liegen mag. Daher ist es trotz der wenigen (248) Seiten kein Buch, das man mal eben am Sonntag Nachmittag liest.
Durch die etwas ungewöhnliche Schreibweise und den Gesamtaufbau verdient insbesondere der Übersetzer Richard Kölbl den höchsten Respekt für die hervorragende Zusammenarbeit mit Hermann Stefansson.

Mein Fazit:

Hätte ich das Buch zu lesen angefangen, ohne den Klappentext gelesen zu haben, hätte ich es ganz bestimmt bereits nach 10 Seiten abgebrochen. Da der Klappentext jedoch so vielversprechend war, war der Anreiz umso höher, weiter zu lesen.
Es ist kein Buch für ungeduldige Leser, die eine feste Struktur brauchen. Jedoch ein Buch für Leser, die bereit sind sich auf etwas anderes, nicht weniger spannendes über Forschung und Entwicklung durch Einsteins „Erben“, einzulassen.